Fake, Redial und Frankenwatch

Wenn die Originalität bei Vintage-Uhren relativ ist


Auch wenn Vintage-Uhren durchaus eine Alternative zu neuen Zeitmessern sein können, ist vor allem beim Kauf im Internet Vorsicht geboten. Da sich die Recherche in Bezug auf alte Modelle häufig schwierig gestaltet, besteht ein Informationsungleichgewicht, vor dem man sich als Käufer schwer schützen kann. Vor allem aber ist Fake nicht gleich Fake. Es existieren unterschiedliche Arten von Uhrenplagiaten, die verschiedene Komponenten der Uhr betreffen und zeigen, dass der Begriff Fälschung oft relativ ist. Auch wenn häufig nur der Kauf einer neuen Uhr bei seriösen Anbietern für eine zweifelsfreie Sicherheit hinsichtlich der Originalität sorgt, möchten wir kurz erläutern, wie man sich zumindest teilweise vor dem Kauf einer mehr oder weniger unkorrekten Vintage-Uhr schützen kann. Da das World Wide Web von der englischen Sprache dominiert ist, werden wir dabei auch auf einige englische Begriffe zurückgreifen.

1. Fälschungen - "Fakes"

Der Albtraum für jeden Uhrenliebhaber ist natürlich der Kauf eines nicht originalen Zeitmessers. Zunächst ist es wichtig, den hier verwendeten Begriff Fälschung etwas zu präzisieren: Hier sind Uhren gemeint, bei denen der Großteil der Bauteile unoriginal ist, unabhängig von einer Täuschungsabsicht des Verkäufers. Denn Plagiate wechseln, wie im Falle sogenannter Replica-Modelle, häufig auch im Wissen des Käufers den Besitzer. 

Uhren-Nachahmungen sind jedoch nicht nur ein Problem, das neue Uhren betrifft. Auch Vintage-Uhren werden immer häufiger gefälscht. Dabei werden meist alte Uhren unbekannter Hersteller mit klingendem Zifferblattschriftzug “gebrandet”.

Schützen kann man sich am besten mit einem Vergleich anhand von Fotos oder einer Bildersuche der jeweiligen Referenz übers Internet. Auch bei den Herstellern kann man häufig nützliche Infos einholen und Referenz- und Seriennummern überprüfen. Bei älteren Uhren gestaltet sich die Informationsbeschaffung jedoch nicht immer einfach: Besonders bei Marken, die heute nicht mehr exisitieren oder in der Vergangenheit von anderen Herstellern übernommen wurden, ist die Modellhistorie häufig nicht mehr hinreichend dokumentiert.

2. Verbastelte Uhren - “Frankenwatches”

Deutlich häufiger als Fälschungen treten im Falle von Vintage-Uhren Mischvarianten mit originalen und unoriginalen Teilen auf. Wer glaubt, es handelt es sich um Einzelfälle, der irrt: Tatsächlich ist der Gebrauchtmarkt im Internet übersäht mit sogenannten Frankenuhren oder Frankenwatches. Dabei handelt es sich um Uhren, bei denen Bestandteile unterschiedlicher Uhren in einer Uhr verbastelt werden. Die einzelnen Teile können von baugleichen und unterschiedlichen Referenzen oder überhaupt von anderen Herstellern stammen. Manchmal werden auch einzelne Teile von anderen Herstellern verwendet oder kostengünstig neu hergestellt.

Hieran ist auch erkennbar, dass Fälschungen und verbastelte Uhren nicht trennscharf voneinander abzugrenzen sind. Auch bei “besseren” Uhren existieren graduelle Unterschiede und Graubereiche, hinsichtlich derer auch erfahrenere Käufer Abwägungen treffen müssen. Beispielsweise hängt es sehr vom angebotenen Modell ab, ob die fehlende Originalkrone ein K.O.-Kriterium ist oder nicht. Diese gehört bekanntlich zu den ersten Teilen, die ersetzt werden müssen, weshalb das Original häufig nicht mehr vorhanden ist. Auch die Schließe fiel in den meisten Fällen einem vergangenen Armbandwechsel zum Opfer. Man würde hier jedoch noch lange nicht von einer Frankenuhr sprechen. Grundsätzlich gilt: Je originaler, desto wervoller. Doch auch Sammler sind bei sehr seltenen und gefragten Referenzen bereit, kleine Abstriche hinsichtlich der Originalität zu machen.

Wie bei Fälschungen ist auch hier ein Bildabgleich mit originalen Modellen von grundlegender Bedeutung, wobei keine Komponente der Uhr außer Acht gelassen werden sollte. Auch sollte das Erscheinungsbild der Uhr insgesamt schlüssig erscheinen: Passen etwa Gehäuse, Zeiger, Schriftzüge und Uhrwerk in dieselbe Zeit? Hat die Leuchtmasse auf den Zeigern dieselbe Farbe wie auf dem Zifferblatt? Manchmal geben auch die Markierungen auf dem Gehäuseboden Hinweise: Vor allem bei vergoldeten oder verchromten Vintage-Uhren sollte Fond Acier oder Edelstahlboden oder ähnliches zu lesen sein. Der Schriftzug (All) Stainless Steel oder Rostfreier Edelstahl weist hingegen darauf hin, dass nicht nur der Gehäuseboden, sondern das gesamte Gehäuse aus Edelstahl besteht. Hier sollte deshalb im Umkehrschluss keine vergoldete oder verchromte Uhr angeboten werden. Ist dies nicht der Fall, liegt mit Sicherheit eine verbastelte Uhr mit unkorrekten Gehäusekomponenten vor.

Auch Datenbanken mancher Hersteller bieten eine nützliche Hilfe. Mithilfe der Serien- und Referenznummer lässt sich der Fertigungszeitraum der Uhr überprüfen. Auf der Website von Omega erhält man bei Eingabe zahlreicher älterer Referenzen Infos zum jeweiligen Modell sowie ein Bild, welches die Uhr im Original zeigt. In jedem Fall sollte man den Verkäufer kontaktieren und Fragen hinsichtlich der Originalität stellen. Natürlich hat der Verkäufer häufig selbst keine Kenntnis über die Authentizität einzelner Teile, jedoch können uneindeutige und ausweichende Antworten häufig dafür sprechen, dass den Käufer hinters Licht führen möchte.

3. Unoriginale Zifferblätter - “Redials”

Neben dem Uhrwerk ist das Zifferblatt das wohl wichtigste Element einer älteren oder antiken Uhr. Umso entscheidender für den Wert des Zeitmessers ist dessen Originalität. Gängige Praxis ist das Restaurieren und Erneuern (Repainted, Refurbished oder Refinished Dial) oder überhaupt das Ersetzen von Originalzifferblättern (Redial). So wie Frankenuhren bzw. Frankenwatches handelt es sich bei überarbeiteten Zifferblättern um keine Einzelfälle und im Falle von Vintage Uhren um ein weitaus größeres Problem als Uhren, bei denen sämtliche Teile nicht original sind.

Zunächst ist hier festzuhalten, dass grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden ist, eine alte Uhr optisch aufzuwerten. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Uhr dadurch an Originalität einbüßt und für die meisten Sammler uninteressant wird. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Patina den Charme einer Vintage-Uhr erst so richtig ausmacht. Erst bei ausgeprägten Feuchtigkeitsschäden bis hin zu Rissen sollte man sich das Überarbeiten des Zifferblattes überlegen.

In jedem Fall sollte im Falle eines Verkaufs offen mit der Unoriginalität des Zifferblattes umgegangen werden. Bei Ebay und anderen Gebrauchtuhrenbörsen im Internet findet man hingegen Unmengen an Vintage-Uhren mit Redials, sodass der Kauf ohne vorangegangener Recherche schnell zur Lotterie wird. Häufig werden überarbeitete Zifferblätter im Unwissen des Verkäufers angeboten. Handelt es sich etwa um ein Erbstück, weiß man oft nicht über die Revisionsvergangenheit einer Uhr und in vergangenen Jahrzehnten wurden Zifferblätter sehr häufig als Teil eines Rundumservice restauriert oder durch ein neue ersetzt.

Man muss jedoch nicht gleich die Katze im Sack kaufen: Erkennbar sind überarbeitete Zifferblätter vor allem mithilfe eines Bildvergleichs mit baugleichen Modellen. Zu achten ist vor allem auf kleinste Details wie Zifferblatt-Schriftbilder und allgemein der Qualität des Drucks. Ist beispielsweise die Silhouette der Schrift ungleichmäßig oder unscharf, spricht dies meist dafür, dass das Zifferblatt nicht (mehr) original ist. 

Außerdem sind bei Chronographen oder Uhren mit kleiner Sekunde am Rand der Zusatzzifferblätter gelegentlich vorangegangene Zifferblattpolituren auszumachen - nämlich dann, wenn die Kante zum Hauptzifferblatt ungleichmäßig oder stark abgerundet erscheint. Des Weiteren bildet auch der Swiss Made Schriftzug Hinweise auf die Originalität. Es gibt zwar auch Schweizer Vintage-Modelle ohne diese Herkunftsbezeichnung, jedoch ist ein Fehlen des Schriftzuges in den meisten Fällen ein erster Hinweis darauf, dass das Zifferblatt in der Vergangenheit überarbeitet oder durch ein neues ersetzt worden sein könnte. Häufig ist das Swiss Made mit ein oder zwei T’s sichtbar. Diese kennzeichnen die Verwendung der Leuchtmasse Tritium, die von den späten 1960ern bis in die 80er Jahre verwendet wurde. Passt das vorhandene oder nicht vorhandene T nicht zum Herstellungsjahr der Uhr, lassen sich daraus Schlüsse über die Originalität des Zifferblattes ziehen. Dies sind nur einige Hinweise, worauf beim Zifferblatt zu achten ist. Nach einiger Erfahrung entwickelt sich daraus eine gewisse Routine, wonach schließlich entschieden wird, ob man ein Zifferblatt für original befindet.

4. Polierte Uhrengehäuse

Zwar in der Sammlergemeinde generell als weniger problematisch erachtet als Frankenuhren oder Redials, kann ein poliertes Gehäuse dennoch den Wert einer Uhr beträchtlich beeinflussen. Häufig erkennt man polierte Gehäuse daran, dass die Kanten weniger scharf sind. Vor allem bei Modellen mit dünnen Bandanstößen oder solchen mit abgewinkelten Kanten sind “runterpolierte” Gehäuse daran erkennbar, dass die Kanten an "Schärfe" einbüßen und zunehmend abgerundet erscheinen. Doch nicht jede unscharfe Kante muss einer Politur unterzogen sein. Dies gilt aufgrund der geringeren Materialhärte vor allem für Goldgehäuse. Hier tritt nach jahrzehntelangem Gebrauch meist ein sichtbarer Materialabrieb auf, der im Regelfall jedoch nicht nur die Kanten betreffen sollte. Erscheint das Gehäuse hingegen in fabrikneuem Glanz, die Kanten sind jedoch nicht mehr scharf und zugleich zeigt das Zifferblatt deutliche Alterscherscheinungen, so ist davon auszugehen, dass hier etwas nachgeholfen wurde.

Auch wenn sich das Risiko des Kauf einer mehr oder weniger unoriginalen Uhr mithilfe dieser kleinen Anleitung vermindern lässt, empfehlen wir vor allem unerfahreneren Uhrenliebhabern den Kauf einer neuen Uhr beim seriösen Händler ans Herz legen. Sämtliche bei Montredo angebotenen Uhren stammen direkt von autorisierten Konzessionären der jeweiligen Marke, wodurch eine 100-prozentige Echtheit garantiert werden kann. Ansonsten möchten wir euch an dieser Stelle noch unseren allgemeinen Ratgeber für den Kauf von Vintage-Uhren ans Herz legen.



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