Der Mikrorotor

Drehmoment mit ästhetischem Anspruch


Ein Mikrorotor nimmt eine deutlich geringere Fläche als ein gewöhnlicher, zentraler Rotor ein und erlaubt einen weitgehend ungestörten Blick auf Räderwerk und häufig auch der Hemmung. Damit vereint er den funktionalen Vorteil einer Automatik, der das manuelle Aufziehen der Uhr obsolet macht, mit dem ästhetischen Anspruch einer Handaufzugsuhr.

„Microtor“ schreibt Geschichte

Im Jahr 1955 wurde vom Uhrenhersteller Universal Genève der „Microtor“ patentiert, ein dezentraler Mikrorotor, der ursprünglich entwickelt worden war, um schlankere Automatikgehäuse herstellen zu können. Schließlich war jene Zeit in der Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt von einem Herstellerwettrennen, das im Dienste immer kleinerer Uhrenkaliber stand. Auch der amerikanische Uhrenhersteller Hamilton war im Bereich der Mikrorotoren aktiv und brachte einige Modelle mit dezentralem Zwergen-Aggregat auf den Markt.

Danach ist der Mikrorotor fast schon in Vergessenheit geraten. Doch das war ja alles vor der Quarzkrise, und diese hat schließlich die Branche nachhaltig verändert. Der Aspekt der Funktionalität rückte nach dem Ende der Quarzkrise stärker in den Hintergrund und die Leidenschaft und Liebhaberei für die Mechanik einer Uhr trat in den Mittelpunkt.

Bei der Antwort auf die Frage, warum denn mechanische Uhren so faszinierend seien, fällt zumeist der Begriff ‚Ästhetik’. Und damit ist nicht nur die äußere Schönheit gemeint. Die Anmut, wenn die kleinen Räderchen ineinandergreifen und ein langsames, stetiges Voranschreiten der Zeiger bewirken, weckt das Kind im Manne. Vor allem für die wahren Puristen unter den Uhrenliebhabern wird hierbei der durch einen Zentralrotor eingeschränkte Blick auf das Räderwerk und die Hemmung häufig als störend empfunden. Ein Mikrorotor offenbart hingegen deutlich mehr vom Inneren der Uhr.

Mikrorotor noch ein Nischenprodukt

Ein weiterer Vorteil des Mikrorotors ist, dass er eine flachere Bauweise ermöglicht; ein Umstand, den sich vor allem der für die Herstellung besonders flacher Uhren bekannte Hersteller Piaget zunutze macht. Auch Patek Philippe ist einer der wenigen Nobeladressen, welche die Idee eines dezentralen Rotors neu aufleben ließen. Bei der 240er Kaliberreihe werden Mikrorotoren aus 21- und 22-karätigem Gold verbaut, da diese eine besonders hohe spezifische Masse aufweisen. Folglich kann ein annähernd gleich hohes Trägheitsmoment wie mit deutlich größeren Aufzugsrotoren erreicht werden.

Heute werden diese im Dienste einer schönen Optik stehenden Automatik-Varianten also eher als Nischenprodukte angeboten. Neben Patek Philippe und Piaget sind es vor allem die kleinen und exklusiven Häuser wie Roger Dubuis, Laurent Ferrier und Armin Strom, die Uhren mit Mikrorotoren herstellen. Doch das Bedürfnis nach einer möglichst sichtbaren Mechanik schreit förmlich danach, dass der Mikrorotor künftig auch vermehrt im zugänglicheren Preissegment Verwendung findet.

Jetzt Newsletter abonnieren!



Nach Oben