Die drehbare Lünette

Weit mehr als sportliche Aufmachung


Der des französischen Wortursprungs nach „kleine Mond“ ist ein zifferblattseitig montierter Ring, der vielen runden Gehäusen ein sportliches Antlitz verleiht. Man sollte die Lünette jedoch keineswegs nur auf ihre robuste und „armaturenhafte“ Optik reduzieren. Schließlich kann sie eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, die im Alltag echten Mehrwert liefern. Man muss nur wissen, wie man sie richtig anwendet.

Ihre Funktionsweise ist genauso einfach wie genial. Aufgrund ihrer Drehbarkeit addiert und subtrahiert sie, aufgrund ihrer Skalierung dividiert und multipliziert sie. Die Lünette fasziniert, da sie im Grunde lediglich auf den vier Grundrechnungsarten der Mathematik beruht und somit für den Nutzer intuitiv nachvollziehbar ist. Im Folgenden werden die einzelnen Lünettenarten kurz vorgestellt und ihre Funktionsweise kurz erläutert.

Taucherlünette

Bei der Tauchlünette wird das Dreieck (60. Minute) unmittelbar vor dem Tauchgang auf den Minutenzeiger gestellt. Somit zeigt dieser auf der Lünettenskalierung die zum Zeitpunkt X vergangene Tauchzeit (in Minuten) an. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, warum man für das „Stoppen“ der Zeit eine Lünette benötigt, wo es doch auch Chronographen gibt, die das Stellen auf 0 unnötig machen. Grund hierfür ist vor allem, dass die Drücker eines Chronographen auf keinen Fall unter Wasser betätigt werden dürfen und die Minute auf einem kleinen Hilfszifferblatt in größeren Tiefen schwer ablesbar ist.

Während frühe Taucheruhren auch in beide Richtungen drehbar waren, sind sie heute aus Sicherheitsgründen nur noch gegen den Uhrzeigersinn einzustellen. So lassen sich verheerende Missverständnisse hinsichtlich der Tauchzeit vermeiden, da bei unbeabsichtigtem Verstellen der Lünette keine zu lange, wohl aber eine zu kurze Tauchzeit ausgewiesen werden kann. Damit ist im Grunde ausgeschlossen, dass dem Taucher aufgrund einer unabsichtlich verstellten Lünette früher als erwartet der Sauerstoff ausgeht.

Bekannte Taucheruhren mit einseitig drehbarer Lünette: Rolex Submariner, Omega Seamaster 300M 

Zeitzonenanzeige

Lünetten zur Zeitzonenanzeige finden sich oft auf GMT-Uhren. Diese zeigen eine 24-Stundenskala an und lassen sich im Gegensatz zu Tauchlünetten in der Regel in beide Richtungen verstellen. Ein zweiter Stundenzeiger umrundet das Zifferblatt nur einmal am Tag und zeigt auf der Lünettenskala eine zweite Uhrzeit an. Im Falle der meisten modernen GMT-Uhren ist es möglich, den 24-Stunden-Zeiger an die Lokalzeit anzupassen, ohne dass dabei die laufende Uhrzeit angehalten werden muss. 

Der eigentliche Stundenzeiger, der nur 12 Stunden für eine vollständige Umdrehung benötigt, bleibt auf der alten Zeit (Heimatzeit), die von der Anzeige auf dem Zifferblatt (nicht auf der Lünette) abgelesen wird. Des Weiteren kann man damit schnell herausfinden, wo Norden ist. Der normale Stundenzeiger wird dabei auf die Sonne gerichtet. Der 24-Stundenzeiger zeigt dann nach Norden. Voraussetzung ist, dass beide Zeiger die gleiche Uhrzeit anzeigen.

Bekannte GMT-Modelle mit beidseitig drehbarer Lünette zur Zeitzonen-Einstellung: Rolex GMT-Master II

Tachymeterskala

Viele Lünetten zeigen meist zusätzlich eine Tachymeter- bzw. Tachometerskala an, die Geschwindigkeiten bei gegebener bzw. vorab festgelegter Strecke (meist 1 Kilometer) abschätzen lassen. Die Skala beruht auf der einfachen physikalischen Formel Geschwindkeit = Weg/Zeit. Der Weg, den der Sekundenzeiger zurückgelegt hat, während die vorgegebene Strecke bewältigt wurde, gibt somit an, wie hoch das Durchschnittstempo im jeweiligen Zeitraum war. Nach einer Strecke von in der Regel einem Kilometer kann somit auf der Lünettenskala die Geschwindigkeit in km/h abgelesen werden.

Der Breitling Navitimer verfügt über eine in beide Richtungen drehbare Lünette, bei der sich sowohl auf dem Drehring als auch am Zifferblatt-Rand innerhalb des Drehrings Skalen (unter anderem auch eine Tachymeter-Skala) befinden. Über eine entsprechende Synchronisation von Außen- und Innenskala lassen sich damit zahlreiche Rechenoperationen wie Währungsumrechnungen und die Ermittlung von Durchschnittsgeschwindigkeiten durchführen.

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