Neues beim diesjährigen Genfer Uhrensalon

SIHH 2014


Der Genfer Uhrensalon SIHH ist jedes Jahr das erste Stimmungsbarometer des neuen Année d’Haute Horlogérie. Welche Neuheiten werden von den einzelnen Richemont-nahen Herstellern vorgestellt? Welche Trends sind erkennbar? Und wie ist die Stimmung in der Welt der Luxusuhren? Offiziellen Zahlen zufolge sind in diesem Jahr zwar weniger Gäste geladen als die Jahre zuvor, die auserwählten Vertreter dürfen sich dennoch auf einige interessante Neuheiten freuen.

Fokus auf die inneren Werte

Abgesehen von Audemars Piguet, Greubel Forsey, Parmigiani und Richard Mille sind bei der SIHH ausschließlich Uhrenmarken vertreten, die Teil des Richemont-Konzerns sind. Dazu gehören illustre Namen wie A. Lange & Söhne, Jaeger-LeCoultre, Baume & Mercier, Vacheron Constantin, Montblanc, Panerai und IWC. Die bereits vor der offiziellen Eröffnung offenbarten Uhrenneuvorstellungen lassen in Sachen Design eine größere Zurückhaltung vermuten, als man es aus den vergangenen Jahren kannte. Schlanker und eleganter werden die Fassungen und erwecken den Anschein, dass die durchschnittlichen Gehäusediameter in den letzten 2 Jahren ihr Allzeitmaximum erreicht hatten. Auch setzt man künftig wieder stärker auf die Produktion von Eigenkalibern. IWC stattet etwa teilweise die Aquatimer-Serie - für Taucheruhren sonst unüblich - mit Eigenkalibern aus.

Die zunehmende Fertigungstiefe einiger Richemont-Marken ist dabei nicht nur auf die hohe Nachfrage an Manufakturuhren zurückzuführen. Sie hängt wohl auch mit einem letztjährigen Urteil der Wettbewerbskommission zusammen, wonach die Lieferpflicht des Werkeherstellers ETA an konzernfremde Marken bis zum Jahr 2019 stufenweise abgebaut wird. Der Konzernrivale Swatch hatte dies erwirkt, da man aufgrund der Liefervereinbarungen mit Drittfirmen seit Jahren nicht genügend Werke für konzerneigene Marken wie Longines oder Union Glashütte bereitstellen konnte. Bis 2019 muss man bei ETA-Beziehern aus den Richemont-Reihen - etwa IWC, Panerai oder Baume & Mercier - somit gerüstet sein, um der immensen Nachfrage an Swiss-Made-Kalibern anderweitig beizukommen.

Ultraflache Gehäuse im Trend

Die Herstellung immer kleinerer und dünnerer Uhren zog sich ja wie ein roter Faden durch die Geschichte der Armbanduhr. Marken wie Jaeger-LeCoultre und Eterna galten als Vorreiter kleiner Werkkonstruktionen, doch kaum ein anderer Hersteller ist so bekannt für seine flachen Uhren wie Piaget. Als die Uhrengehäuse in den letzten Jahren immer größer und üppiger wurden, geriet die Disziplin der Herstellung von Werken in Miniaturausmaßen zunehmend in den Hintergrund, ehe nun einige Hersteller dem Thema wieder verstärkt Beachtung schenken.

Die Fertigung von möglichst flachen Gehäusen ist absolute Kernkompetenz und wesentliches DNA-Merkmal von Piaget. Das Kaliber 600P zählt beispielsweise nach wie vor als das flachste Tourbillonwerk der Welt. Bei der letztjährigen SIHH wurde mit mit drei Millimetern das flachste edelsteinbesetzte skelettierte Automatikwerk der Welt präsentiert. Und auch dieses Jahr steht für Piaget ganz im Zeichen extradünner Gehäuseabmessungen: So stellt der Hersteller aus Côte-aux-Fées mit der neuen extraflachen Altiplano und seinen lediglich 3,65 Millimetern die flachste mechanische Uhr der Welt vor.


Und auch bei Jaeger-LeCoultre werden im neuen Jahr wieder ultraflache Uhren lanciert. Die Hybris Mechanica Ultra Thin Minute Repeater Flying Tourbillon, ist die mit 7,9 mm dünnste jemals gebaute Uhr, welche eine Minutenrepetition und ein Tourbillon miteinander vereint. Sechs Patente wurden hierfür eingereicht, darunter die 'Silent Timelapse Reduction'. Dieser spezielle Mechanismus verhindert, dass beim Betätigen der Minutenrepetition eine Pause zwischen den Schlägen für die Stunde und die Minute auftritt, wenn dazwischen keine Viertelstunden ertönen.

Und auch sonst gibt es Neues bei JLC. So wird bei der SIHH die bereits dritte Variante der Reverso 1931 vorgestellt, die vor drei Jahren erstmalig als Jubiläumsmodell des Art-Deco-Klassikers lanciert worden war. Die Grande Reverso Ultra Thin 1931 erstrahlt in rotgoldem Glanz und ist mit schokoladenbraunem Zifferblatt und Lederband ausgestattet.

Große Lange 1 mit Mondphase

Die neu patentierte Anzeige der großen Lange 1 im Inneren des Hauptziffernfeldes verhilft dem auf 126,6 Jahre (erst dann müsste man die Anzeige um einen Tag nachjustieren) genau berechneten Mondphasenindikator der neuen großen Lange 1 zu einer bisher nie dagewesenen Prominenz auf dem Zifferblatt. Ausgestattet ist die neue Große in der Lange-1-Modellreihe sonst mit Altbewährtem: dem unverkennbaren Lange-Großdatum und einer feinnadeligen Gangreserveanzeige, welche die mit 72 Stunden durchaus beachtliche Gangautonomie auf dem Zifferblatt darstellt.

Bei Greubel Forsey feiert man dieses Jahr 10-jähriges Firmenjubiläum. Der Spezialist für besonders aufwendige und ausgefallene Tourbillon-Konstruktionen stellt aus diesem Anlass eine GMT-Uhr mit einer auf einer rotierenden Globuskugel abzulesenden Weltzeitanzeige vor. Dass das Modell auch mit einem Tourbillon ausgestattet ist, versteht sich von selbst. Lediglich 24-Sekunden braucht dieser, um sich einmal um seine eigene Achse zu drehen.


Bei ungebrochen hochwertiger Verarbeitung sollen die noblen Zeitmessgeräte fürs Handgelenk künftig also wieder etwas mehr Understatement ausstrahlen. Man könnte fast argumentieren, dass sich die Uhr von den Zeiten besonders üppiger Beschalungen emanzipiert hat. Eine selbstbewusste Horlogérie schreit nicht danach, gesehen zu werden, sondern weiß, dass sie auch mit eleganten und zurückhaltenden Designs wahrgenommen wird. Eine durchaus begrüßenswerte Entwicklung.

© Bilder: SIHH 2013

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