Zu Unrecht unterschätzt: Die Girard Perregaux Laureato

By Montredo in Lifestyle
September 22, 2020
Zu Unrecht unterschätzt: Die Girard Perregaux Laureato

Erst 2016 hat Girard Perregaux der Laureato-Kollektion frischen Wind eingehaucht. Sowohl technisch als auch optisch hat die Schweizer Luxusuhrenschmiede zu einem besonderen Jubiläums daher einige subtile Änderungen vorgenommen, um einen der großen Klassiker wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Heute präsentiert sich die Kollektion in einer Vielzahl an Größen und Farben und das, angesichts der technischen Spezifikationen, zu einem äußerst attraktiven Preis.

Dennoch ist längst nicht jeder Uhrenfan so restlos von der Kollektion überzeugt, wie der erste Eindruck womöglich erahnen lassen würden, ja sogar der Vorwurf einer „poor man‘s Royal Oak“ steht im Raum. Stimmt das wirklich?

Grund genug, uns einmal durch die Geschichte der polarisierenden Laureato zu graben.

Geburtsjahr 1975

Betrachtet man die Unternehmensgeschichte von Girard Perregaux, die ihren Ursprung bereits 1791 im Schweizer La Chaux-de-Fonds hat, ist die Laureato-Kollektion vergleichsweise jung. Die erste Laureato kam nämlich 1975 auf den Markt, wohlgemerkt als Quarz-Chronometer und in bicolor. Der Name wurde übrigens auf Anraten des damaligen, italienischen Distributors der Marke nach dem italienischen Film „Die Reifeprüfung“ (ital.: Il laureato) benannt, und auch das ursprüngliche Design stammte aus der Feder eines jungen Architekten aus Mailand.

Girard Perregaux Laureato 1975

Die Wahl des Quarzwerkes mag zwar für heutige Verhältnisse überraschend  klingen, war aber konsequenterweise dem damaligen Zeitgeist geschuldet und ist durch die damals eintretende Quarzkrise zu erklären, inmitten derer die erste Laureato auf die Welt kam. (Zwei Jahre später, 1977, hat Rolex zudem die erste Rolex Oysterquartz auf den Markt gebracht.) Quarzuhren waren einfach en vogue!

Wie schon bei der nur drei Jahre zuvor vorgestellten Royal Oak setzte die Ur-Laureato zudem auf ein integriertes Armband mit leicht tonneau-förmigem Gehäuse. Herausstechendstes Merkmal war aber ohne Zweifel die ungewöhnliche Gestaltung der Lünette, die fortan achteckig war. Im Gegensatz zur Royal Oak war diese allerdings nicht mehr einem alten Taucherhelm nachempfunden, was den Wegfall der Schrauben entlang der Lünette erklärt. Vielmehr stand stattdessen das Spiel der Formen und Proportionen im Vordergrund, was nicht zuletzt dem italienischen Designer zu verdanken ist (aus dem GP bis heute einen Hehl macht). Der andere signifikante Unterschied lag in den Uhrwerken: Die Laureato war mit einem äußerst schlanken Quarzwerk ausgestattet, an dem die Marke bereits seit den 60er-Jahren arbeitete, während die Royal Oak noch von einem mechanischen Kaliber angetrieben wurde.

Girard Perregaux Laureato

Auch wenn der Laureato-Kollektion immer mal wieder neue Uhren hinzugefügt wurden – 2003 folgten z.B. die sportlichen EVO 3-Modelle und 2012 das spektakuläre Blue Spinel-Tourbillon mit drei Brücken – dauerte es noch eine Weile, bis die Kollektion von Grund auf neu aufgekrempelt wurde.

Die Laureato-Kollektion heute

2016 feierte Girard Perregaux 225-jähriges Firmenjubiläum. Aus diesem Anlass wurde die Laureato-Kollektion neu aufgerollt und extrem diversifiziert, sodass die Uhren heute in einer ungeheuren Vielzahl von Formen und Farben erhältlich sind. (Die komplette Auflistung könnt ihr hier einsehen, aber bringt etwas Zeit mit.)

Die zur Verfügung stehenden Gehäusematerialien erstrecken sich über Klassiker wie Edelstahl, Titanium und Gold, aber auch Exoten wie Keramik, Glaskohlenstoff und gar Saphirglas kommen zum Einsatz. Ähnlich breit aufgestellt ist die Auswahl der Komplikationen, die u.a. Tourbillons, Chronographen, Ewige Kalender und Weltzeit-Anzeigen umfasst. Das Ganze findet Platz in Gehäusegrößen zwischen 34mm und 45mm im Durchmesser.

Girard Perregaux Laureato

Der Großteil der klassicheren Laureato-Uhren verfügt des Weiteren über ein Zifferblatt mit waffelförmigem „Clous-de-Paris“-Muster – einer speziellen Art der Guillochierung, bei der das Blatt mit kleinen, pyramidenförmige Erhebungen versehen wird. Dieses kennen wir bereits von der Royal Oak, was uns zu unserer Eingangsfrage zurückbringt.

Genta-Verschnitt oder 70er-Original?

Was ist nun also von der Laureato-Kollektion zu halten: Dreiste Genta-Kopie oder exemplarische Luxussportuhr ihrer Ära? Nun, die Frage kann natürlich jeder für sich selber entscheiden, aber dennoch möchten wir ein bisschen food for thought mit auf den Weg geben.

Die Verwandtschaft zur Royal Oak (1972) von Gérald Genta ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber zu wissen, dass diese lediglich drei Jahre vor der Ur-Laureato (1975) auf den Markt kam und die Genta-Klassiker Patek Philippe Nautilus sowie IWC Ingenieur SL „Jumbo“ (jeweils 1976) zu besagtem Zeitpunkt noch Zukunftsmusik waren. Zu behaupten, dass die Laureato einfach auf den bereits mit Höchstgeschwindigkeit vorbeidonnernden Genta-Zug aufgesprungen sei, stimmt also nicht.

Girard Perregaux Laureato
Die aktuelle 2016er Girard Perregaux Laureato als Dreizeigeruhr © Watchtime.net

Noch wichtiger ist allerdings der Fakt, dass die Royal Oak nach ihrer Veröffentlichung kein durschlagender Erfolg war – das Gegenteil ist der Fall. Man muss sich erneut vor Augen halten, dass die Welt nach günstigen Quarzuhren lechzte, die für kleines Geld erhältlich waren. Als die erste Royal Oak allerdings auf der Baselworld 1972 vorgestellt wurde, kostete diese stolze 3750 Schweizer Franken, was ungefähr dem Gegenwert einer Patek Philippe-Golduhr oder 10(!) Rolex Submariner entsprach. Die preisempfindliche Käuferschaft sah es daher nicht ein, für eine Edelstahluhr derartige Summen auszugeben. So kam es, dass Audemars Piguet gute zwei Jahre brauchte, um die ersten 1000 Royal Oak-Exemplare der „A-series“ zu verkaufen. (Noch mehr Interessantes könnt ihr in unserem Gérald Genta-Video mit dem Uhrenexperten Gisbert Brunner erfahren.)

In anderen Worten: Die Girard Perregaux Laureato wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der ihr stilistisches Vorbild alles andere als erfolgreich war. Welches Interesse sollte eine Marke daran haben, einen offensichtlichen Flop zu kopieren?

Fazit

Anstatt die Laureato einfach in die „Genta-Abklatsch“-Schublade zu stecken, sollte man stattdessen lieber das gute Preis-Leistungs-Verhältnis der Dreizeigeruhren loben und die strategische Weitsicht von Girard Perregaux in den 70er-Jahren anerkennen. Entgegen aller Anzeichen entschied sich GP nämlich dafür, die umstrittene Designsprache der Royal Oak nach eigenen Maßstäben weiterzudenken.

Girard Perregaux Laureato Infinity
Die limitierten Laureato Infinity-Modelle entstammen einer Zusammenarbeit mit Wempe.

Wenn ihr noch mehr über die aktuellen Laureato-Modelle erfahren möchtet, könnt ihr dies bei uns im Shop tun.


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Vorherige Kommentare (1)

  1. Haters gonna hate, so ist das halt. Konnte selber nie verstehen, was viele an den Uhren auszusetzen haben, insbesondere die Panda-Chronos sind einsame Spitze und stehen ganz weit oben auf meiner Liste. 👍

    September 23, 2020

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