Genfer SiegelGenerell ist diese Auszeichnung eine Uhren-Qualitätskennzeichnung der Stadt Genf. Sie wird weitläufig auch als Genfer Punze, Genfer Stempel oder auch als (französisch) Poinçon de Genève bezeichnet. Das Siegel wird seit dem Jahre 1886 vergeben und umfasst drei Grundvoraussetzungen, die die Verarbeitung und Einstellung von Werkteilen bestimmen.

Um das Genfer Siegel zu erhalten, muss das Kaliber von acht vereidigten Mitgliedern des staatlichen Prüfungsausschusses von Genf genehmigt und anerkannt werden. Dabei handelt es sich ausschließlich um mechanische Uhrwerke, welche zumindest im Kanton Genf montiert und reguliert worden sind. Die dritte Grundvoraussetzung unterteilt sich in zwölf technische Kriterien, welche die Entwicklung, die jeweiligen Merkmale, die Herstellungsqualität und die Endbearbeitung betreffen.

Im Detail umfassen die zu erfüllenden Kriterien folgende Punkte:

  1. Alle Bestandteile des Kalibers und zusätzliche Mechanismen müssen bester Herstellungsqualität entsprechen und den Anforderungen des „Bureau de contrôle facultatif des montres genevoises“ gerecht werden. Dazu gehört, dass alle Bestandteile aus Stahl polierte Kanten, langgezogene Flanken und geschliffene sichtbare Flächen aufweisen müssen. Zusätzlich müssen Schraubenköpfe poliert oder kreisgeschliffen sein.
  2. Die zertifizierten Uhrwerke müssen Rubine mit polierten Löchern am Räderwerk und an der Hemmung aufweisen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass brückenseitig die Steine halbflach und die Kehlungen poliert sind. Der Minutenstein auf der Werkplatte ist davon jedoch ausgeschlossen.
  3. Die Spiralfeder ist an Kopf und rundem Hals durch ein Spiralklötzchen befestigt. Dieses wird wiederum mit einer Schiebeplatte festgehalten. Ebenfalls zulässig ist ein mobiler Klötzchenhalter.
  4. Eingepasste oder gespaltene Rücker sind in Verbindung mit einem Haltesystem zugelassen. Die Ausnahme dabei sind extraflache Kaliber, bei denen dieses System nicht vorgeschrieben ist.
  5. Zulässig sind außerdem Regelsysteme mit variablem Trägheitshalbmesser.
  6. Eine weitere Voraussetzung sind oben und unten abgeschrägte Finissage-Räder, die außerdem polierte Kehlungen aufweisen. Eine einzige Abschrägung (auf der Brückenseite) wird bei Rädern mit einer Dicke von höchstes 0,15mm toleriert.
  7. Das Polieren der kleinen Wellen und Stirnflächen der Triebe ist obligatorisch.
  8. Die Dicke von großen Teilen darf 0,16mm bzw. 0,13mm bei kleinen Teilen (mit einem Durchmesser von über 18mm) nicht übersteigen. Das Hemmungsrad muss leicht und die Ruhen poliert sein.
  9. Zwei feste Anschläge müssen den vom Anker zurückgelegten Winkel begrenzen. Sperrstifte und Klötzchen sind nicht zulässig.
  10. Zulässig sind mit Stoßsicherungen ausgerüstete Werke.
  11. Entsprechend den hinterlegten Mustern müssen das Sperrrad und das Konrad fertig bearbeitet sein.
  12. Nicht zulässig sind Drahtfedern.

Das Siegel wird von der Timelab-Stiftung vergeben. Das Genfer Siegel gibt dem Uhrenträger eine Garantie für die Herkunft der Uhr, ihre höchste Präzision, ihre Langlebigkeit und die Expertise des Herstellers. Uhren, die das Genfer Siegel erhalten, dürfen das Genfer Staatswappen auf der Platine oder Brücke tragen. Seit 2012 sind zu den Kriterien auch Ganggenauigkeit, Gangreserve und Wasserdichtigkeit hinzugekommen.