Handaufzugsuhr Vs. Automatik

Von Funktionalität und Leidenschaft


Auch wenn sich der Automatikaufzug gegenüber dem Handaufzug breitflächig durchgesetzt hat, schlägt das Herz vieler Uhrenlieber nach wie vor für die ursprünglichere Variante mit Aufzugskrone. Das Für und Wider der beiden mechanischen Gangarten spielt sich dabei nicht nur auf rationaler, sondern auch auf emotionaler Ebene ab. Was erhält den Vorzug? Der puristisch-archaische Handaufzug oder das um eine kleine aber feine Innovation erweiterte Automatikkaliber? Hier eine kleine Gegenüberstellung.

Die Praktikabilität der Automatik-Uhr

Wenn man so will, ist die Automatikuhr der logische nächste Schritt, der dem manuellen Aufzug folgt. Es ist das letzte Stück Technik, mit dem ein „gefühltes Perpetuum-Mobile“ am Handgelenk erreicht wird. Keine Frage, bei einer rein funktionalen Betrachtung ist es schon praktisch, wenn man die Uhr nicht mindestens alle 2 Tage aufziehen muss.

Eine Automatik erweist sich im Alltag vor allem dann als sinnvoll, wenn sie jeden Tag oder fast täglich getragen wird. Sonst lässt sich das gute Stück, dessen Energie durch einen Rotor gespeist wird, im Uhrenbeweger aufbewahren. Dieser simuliert das Tragen der Uhr und die Aufzugsfeder wird fortlaufend gespannt, um die Uhr in Gang zu halten. Die meisten mechanischen Uhren verfügen heute über Automatik-Werke. Auch in unseren Zusammenstellungen der 10 wichtigsten Rolex-Werke und der 10 bekanntesten Kalibern der ETA S.A., dem wichtigsten Schweizer Werkelieferanten, wird dies mehr als deutlich. 
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Handaufzug – Die ursprünglichste aller Gangarten

Der offensichtlichste Nachteil der Handaufzugsuhr gegenüber der Automatik besteht natürlich in der Notwendigkeit, die Uhr regelmäßig aufzuziehen. Für alle, die bisher keine Handaufzugsuhr in ihrem Besitz hatten, haben wir hier einige Punkte zusammengestellt, die beim Aufziehen der Uhr zu beachten sind. Für jemanden, der die Uhr in erster Linie als profanen Alltagsgegenstand sieht, mag der tägliche Mehraufwand durchaus ein Grund sein, von einem Kauf einer Handaufzugsuhr abzusehen. Zwar ist es keine große Sache, die Krone aufzuziehen, doch oft ist bekanntlich die Summe winziger Kleinigkeiten, die im Alltag als Ballast empfunden werden kann.

Für den Liebhaber, für den Uhren weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand zur Messung der Zeit sind, ist das In Gang setzen oder halten einer Uhr über die Aufzugskrone hingegen ein wahres Zeremoniell: Man vergegenwärtigt sich die filigrane Technik, die sich im Inneren der Uhr verbirgt. So ist es ein Moment der Nähe zum liebsten Alltagsbegleiter, den viele Uhrenfreunde nicht missen wollen.

Vielleicht lässt sich dies am besten mit der Vorliebe für eine manuelle Gangschaltung beim Auto vergleichen. Ohne Zweifel stellt das Automatikgetriebe eine technische Weiterentwicklung dar, doch viele entscheiden sich bewusst dagegen, da sie auf den Akt des Gangwechsels per Hand nicht verzichten wollen. Ebenso wie Autos sind eben auch Uhren Liebhabergegenstände, weshalb sich der Umgang mit ihnen deshalb auch nicht auf rationale Begrifflichkeiten reduzieren lässt.
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Ästhetik und Haltbarkeit

Zwei Argumente für die Handaufzugsuhr sind hingegen durchaus rational: Zum einen können sie aufgrund des fehlenden Rotors merklich schlanker gebaut werden, weshalb bei eleganten Anlässen, bei denen meist eher dezente Uhren gewünscht sind, besonders häufig auf den Dresser mit manuellem Gang zurückgegriffen wird. Zum anderen verdeckt der Rotor bei Handaufzugsuhren nicht die Sicht auf das mechanische Herz, sodass man - zumindest im Falle eines Gehäusebodens aus Glas - uneingeschränkt das zahnweise voranschreiten des Räderwerkes beobachten kann.

Und Nachteile? Ein Nachteil der Handaufzugsuhr besteht darin, dass die Kronendichtung durch das Aufziehen der Uhr beansprucht werden kann. Zwar sind diese bei Qualitätsuhren sehr robust gebaut, doch nach jahrzehntelangem Gebrauch kann sich dies auch bei einer noch so hochwertigen Uhr auf die Wasserdichtigkeit auswirken. Überhaupt kann es passieren, dass nach Jahren der Nutzung die Tubusdichtung erneuert werden muss, während beim Rotor einer hochwertigen Automatik-Uhr kaum Verschleißerscheinungen auftreten.

Eines ist jedoch klar: Die Handaufzugsuhr ist keineswegs ein überholtes Relikt vergangener Uhrengenerationen sondern eine interessante Alternative zur Automatik. Möchte man weder auf den Komfort einer Automatikuhr noch auf den völlig freien Blick auf das Innere der Uhr verzichten, bleibt immer noch der Griff zur Uhr mit dezentralem Mikrorotor. Doch der ambitionierte Uhrensammler sollte ohnehin beide Aufzugsarten in seinem Bestand haben.

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