10 Mythen rund um Jaeger-LeCoultre

Busting Myths


Jaeger-LeCoultre ist ohne Zweifel einer der innovativsten Luxusuhrenhersteller der Geschichte. Man hat dabei Klassiker wie die Reverso oder die Memovox hervorgebracht und mit manch innovativem Sonderling wie der Futurematic oder der Duoplan spannende Kapitel geschrieben.

Mythos 1: Jaeger-LeCoultre hat noch nie Werke von einem anderen Hersteller bezogen.

Jaeger-LeCoultre ist heute einer der wenigen Hersteller, die sämtliche Uhrwerke selbst herstellen. Der Manufakturcharakter wurde schon immer groß geschrieben und dementsprechend häufig wird angenommen, dass Jaeger-LeCoultre überhaupt noch nie von anderen Uhrwerkeherstellern bezogen hätte. Das stimmt jedoch nicht ganz: In den 50er und 60er Jahren wurde für sämtliche Chronographen auf Uhrwerke von Valjoux (u.a. Valjoux 72) und Universal Geneve (Universal 285) zurückgegriffen. Auch der Klassiker Reverso beherbergte zunächst kein Manufakturwerk, da man für die Uhr mit dem rechteckigen Drehgehäuse ein schmales, speziell geformtes Kaliber benötigte. Damit aus der Idee einer Uhr mit drehbarem Gehäuse möglichst schnell Realität werden konnte, wurde deshalb zunächst auf das Tavannes 064 zurückgegriffen, ehe zwei Jahre später eine Inhouselösung in Produktion ging.
Jaeger_LeCoultre_Reverso_Classic

Mythos 2: Die letzte Silbe wird betont.

Kaum ein Markenname erklingt in einer solch phonetischen Vielfalt wie Jaeger-LeCoultre. Da die beiden namensgebenden Hersteller Jaeger und LeCoultre, die sich erst im Jahr 1937 zu Jaeger-LeCoultre zusammenschlossen, aus einem frankophonen Gebiet stammen, werden grundsätzlich beide Wortteile Französisch ausgesprochen. Besonders häufig wird das “e” am Wortende von LeCoultre betont, was mangels Accent (é) unrichtig ist. Tatsächlich bleibt der letzte Vokal unausgesprochen, die korrekte Aussprache lässt sich in etwa als [Schäsche-LöKuultr] lautschriftlich darstellen.

Mythos 3: Die Jaeger-LeCoultre Memovox war die erste Wecker-Armbanduhr der Welt.

Die erste Armbanduhr mit Alarm wurde bereits von Eterna im Jahr 1907 entwickelt, allerdings war der Ton, der dabei auf mechanischem Wege erzeugt wurde, relativ leise. Als die erste Armbanduhr mit Alarm wird deshalb meist die Vulcain Cricket geführt, welche der Jaeger-LeCoultre Memovox um drei Jahre zuvorkam. Dafür stellte Jaeger-LeCoultre im Jahr 1956 die weltweit erste Wecker-Armbanduhr mit automatischem Aufzug und im Jahr 1959 die erste Wecker-Taucheruhr vor. Die Erfindung letzterer hatte in der Praxis insofern Bedeutung, als fortan die Tauchzeit nicht mehr über die Lünette eingestellt werden musste, sondern man nach Ablauf der Tauchzeit über ein akustisches Signal erinnert wurde.
LeCoultre_Vintage_Memovox_Alarm

Mythos 4: Jaeger-LeCoultre hat noch nie eine Uhr von der COSC zertifizieren lassen

Bekanntlich werden Uhren von Jaeger-LeCoultre vor dem Verkauf einer Testreihe unterzogen, die unter anderem eine 1000-stündige Gangprüfung beinhaltet. Da das eigene Test-Design umfangreicher ist als jenes der COSC, wird bei Jaeger-LeCoultre von einer gewöhnlichen Chronometerprüfung durch die COSC abgesehen. Nicht richtig ist hingegen, dass Uhren von Jaeger-LeCoultre noch nie von der offiziellen Schweizer Prüfstelle zertifiziert wurden. So wurde in den 1950ern das Modell Geophysik Chronomètre als Tool Watch und in 1960er Jahren die Geomatic Chronomètre als klassisch-elegante Armbanduhr produziert.

Mythos 5: Mit LeCoultre und mit Jaeger signierte Uhren stammen aus der Zeit vor dem Zusammenschluss der beiden Marken.

Jaeger-LeCoultre entstand aus einem Zusammenschluss des vornehmlich für seine herausragenden Uhrwerke bekannten Herstellers LeCoultre und dem Pariser Établisseur Jaeger. Deshalb wird häufig angenommen, dass mit LeCoultre signierte Modelle zwingend aus der Zeit vor dieser Übereinkunft stammen. Zahlreiche LeCoultre-Modelle stammen jedoch aus den 60er und 70er Jahren und damit aus einer Zeit, in der die beiden Firmen längst eine Marke bildeten. Tatsächlich gibt die Signatur jedoch keine Aufschlüsse für den Produktionszeitraum, sondern über die Ortsbestimmung, wobei US-Modelle mit LeCoultre signiert wurden. Hierbei wurden zunächst Werke in die USA exportiert und die Uhren aufgrund von anders geltenden zollrechtlichen Auflagen erst dort assembliert.

Aus diesem Grund findet man auch heute auf dem angloamerikanischen Markt noch besonders viele LeCoultre-Modelle, weshalb die europäischen, mit Jaeger-LeCoultre signierten Varianten in Übersee besonders begehrt sind. In Analogie wurden Modelle für den französischen Vertrieb mit Jaeger bezeichnet. Eine Uneinheitlichkeit hinsichtlich der Signatur gab es auch innerhalb Europas: So findet man bei Modellen, die für den französischen Markt bestimmt waren, häufig Jaeger auf dem Zifferblatt und an die Stelle des Swiss Made Schriftzuges tritt häufig eine Fab. Suisse Ursprungskennzeichnung (häufig sind Französische Modelle auch mit Fabriqué en Suisse auf der oberen Zifferblatt-Hälfte unter 12 Uhr beschriftet).
jaeger_lecoultre

Mythos 6: Uhren mit uneinheitlicher Signatur sind „verbastelt“.

Wenn auf dem Gehäuseboden der Schriftzug LeCoultre eingeprägt ist, obwohl auf dem Zifferblatt Jaeger-LeCoultre zu lesen ist, dann kommt man schnell zum Schluss, dass die beiden Teile ursprünglich nicht zur selben Uhr gehörten. Bei Jaeger-LeCoultre haben uneinheitliche Kennzeichnungen jedoch meist nichts mit der Originalität einzelner Komponenten zu tun. Der Grund steht vielmehr mit dem obengenannten Punkt des nach Zielmarkt unterschiedenen Brandings zu tun. Da es aufwändiger gewesen wäre, sämtliche Bauteile mit sämtlichen Firmierungen zu signieren, wurden teilweise auch für den europäischen Markt bestimmte Bauteile mit LeCoultre gekennzeichnet. Dies war etwa für Edelstahlmodelle in den 1950er und 1960er Jahren der Fall.

Mythos 7: Die Futurematic war das erste Modell, bei der die Krone auf der Gehäuserückseite platziert wurde.

Das Modell Futurematic wurde im Jahr 1951 auf den Markt gebracht und kommt gänzlich ohne Aufzugskrone aus. Statt der üblichen, bei 3 Uhr platzierten Krone findet sich auf dem Gehäuseboden ein Drehregler zum Einstellen der Uhrzeit, allerdings lässt sich hierüber nicht die Uhr aufziehen. In Gang gesetzt wird die Uhr ausschließlich über den Automatikaufzug, ein Umstand, der die Futurematic zur ersten vollständig automatischen Armbanduhr der Welt macht. Unkorrekt ist jedoch die Annahme, dass es davor keine Modelle gab, bei denen die Krone auf der Gehäuserückseite platziert wurde. Bereits Duoplan Modelle aus den 1920er und 1930er Jahren und einige Damenmodelle sollten durch die versteckte Krone eine harmonischere Gehäuse-Silhouette erhalten.
LeCoultre_Futurematic_Vintage_10k_GoldPlated_US_Market

Mythos 8: Jaeger-LeCoultre liefert keine Rohwerke mehr an andere Hersteller.

Jaeger-LeCoultre gilt seit jeher als Werkelieferant für andere Premium-Brands wie Patek Philippe und Vacheron Constantin. Bekannt ist etwa, dass Jaeger-LeCoultre Anfang des 20. Jahrhunderts über drei Jahrzehnte Patek Philippe mit Uhrwerken belieferte. Tatsächlich wurde aber teilweise auch noch in den 60er Jahren auf Werke von Jaeger-LeCoultre zurückgegriffen, um damit etwaige Lieferengpässe zu kompensieren. Sogar bis in die Gegenwart reicht die Partnerschaft mit Cartier: Anders als aufgrund der Aufnahme der Produktion von Inhouse-Werken bei Cartier häufig angenommen wird, werden bis in die gegenwart Ébauches von Jaeger-LeCoultre bezogen.

Mythos 9: Vacheron Constantin lieferte einst an Jaeger-LeCoultre.

Häufig ist zu hören, dass JLC teilweise Komponenten von Vacheron Constantin bezogen hat. Argumentiert wird dabei häufig mit dem Symbol “VXN”, mit dem die Werksbrücken beider Marken gekennzeichnet wurden, um damit den Importvorschriften des US-Zolls zu genügen. Richtig ist, dass Jaeger-LeCoultre teilweise Uhrwerke an Vacheron Constantin lieferte, allerdings bezog Jaeger-LeCoultre zu keinem Zeitpunkt Bauteile von Vacheron Constantin. Die übereinstimmende VXN-Kennzeichnung lässt sich nicht mit einem Zusammenschluss der Produktion, sondern mithilfe desselben Vertriebsweges erklären: Sowohl für Jaeger-LeCoultre, als auch für Vacheron Constantin wurde die Distribution im amerikanischen Markt von der Longines-Wittnauer Group übernommen. Vor diesem Hintergrund sollte die einheitliche Kennzeichnung die Deklarierung für die US-Behörden vereinfachen.

Mythos 10: Das spezielle Gehäuse der Reverso wurde schon immer inhouse gefertigt.

Als die Reverso erstmals gebaut wurde, stammten meist die Gehäuse vom Werkehersteller LeCoultre und die Gehäuse von Jaeger, eine Zusammenarbeit, die wenige Jahre später auch in eine Fusion mündete, aus der der neue Markenname Jaeger-LeCoultre hervorging. Auch wenn der Manufaktur-Charakter schon immer eine große Rolle spielte, wurde zu Beginn der Reverso-Produktion auf Komponenten Dritter zurückgegriffen. Grund war, dass die Vision einer rechteckigen Formuhr mit drehbarem Gehäuse sowohl Jaeger als auch LeCoultre vor eine Aufgabe stellte, die zunächst einiger Entwicklungszeit bedurfte. Das Uhrwerk der allerersten Reversos stammt übrigens von Tavannes und das Gehäuse von den Gebrüdern André und Edouard Wenger. Wenger war damals einer der berühmtesten Hersteller von Gehäusen und Schließen - man belieferte zu jener Zeit etwa auch Patek Philippe - und war damals bereits in der Lage ein solch komplexes Gehäuse zu produzieren.

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