Panerai Radiomir vs. Luminor

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Es sind die klaren Linien, die kantigen Gehäuse und minimalistischen Zifferblattdesigns, die sowohl Luminor als auch Radiomir so glasklar der italienischen Traditionsmarke Panerai zuordnen lassen. Worin aber unterscheiden sich die beiden Modelle und gibt es so etwas wie einen logischen Starting-Point für jeden angehenden Paneristo? Wir möchten die beiden Lifestyle-Uhrenikonen näher vorstellen und mit Blick auf Modellhistorie, Design und Preis Entscheidungshilfe leisten.

Geschichte

Radiomir: Die Geschichte von Panerai ist eng mit dem Modell Radiomir verbunden. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert belieferte Officine Panerai die italienische Marine. Eine Partnerschaft, die die Basis für zahlreiche Innovationen Panerais bildete.

Panerai_Radiomir_1 
Panerai Radiomir Black Seal

Im Jahr 1916 sicherte sich Panerai ein Patent für eine Substanz, die mit “Radiomir” bezeichnet wurde. Als Puder basierend auf Radium, machte es die Modelle von Officine Panerai bei schlechtem Licht ablesbar und vor allem für militärische Zwecke nutzbar. Im Jahr 1936 wurden schließlich zehn Prototypen für die Flotte des italienischen Königreiches, die Regia Marina, produziert, für die das neue Leuchtmaterial zum Einsatz kam. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigte die Radiomir die auch heute noch typischen Designmerkmale: Etwa das kissenförmige Gehäuse in Übergröße, die ösenartigen Bandanstöße und das markante Zifferblattdesign mit den deutlich hervorgehobenen Ziffern bei 3, 6, 9 und 12 Uhr. Als Kaliber kamen von Rolex produzierte Handaufzugswerke zum Einsatz. Die Gehäusegröße von 47 mm entsprach vor allem angesichts damaliger Branchenstandards XXL-Maßen, die den Kampftauchern der Marine schon fast surreal erschienen sein mussten. Zwei Jahre nach der Einführung der Prototypen-Reihe wurde die Radiomir in Serie produziert. Die Abnehmerschaft war allerdings weiterhin dem italienischen Militär vorbehalten. Der Legende nach wurden einige Frog-Men, wie die Militärtaucher bezeichnet wurden, krank von der radioaktiven Leuchtmasse, der sie während des Einsatzes beim Tragen der Uhren ausgesetzt waren.
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Luminor: Wer weiß, vielleicht sind es auch genau diese Berichte, die Panerai einige Zeit später zu einer neuen Erfindung veranlassten. Im Jahr 1949 wurde ein neues Material namens “Luminor” beim Patent angemeldet, welches Radiomir als lumineszierendes Material ablösen sollte. Dabei handelte es sich zwar immer noch um ein radioaktives Isotop, jedoch fiel die Strahlung nun deutlich schwächer aus und unterlag einer um ein Vielfaches kürzeren Halbwertszeit. Dieser frühe Einsatz von Tritium bei Panerai ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass die flächendeckende Nutzung von Tritium-basierenden Leuchtmassen bei den meisten Herstellern erst in den 1960ern stattfand.
Panerai_Luminor_Power_ReserveWie im Falle der Modellreihe Radiomir wurde im Jahr 1950 eine Kollektion nach der neuen Leuchtmasse benannt. Optisch gibt es im Vergleich zum Vorgänger drei Hauptunterschiede: Die Bandanstöße stammen aus dem selben ganzen Stück wie das Gehäuse (Monoblock) und fallen deutlich massiver aus, die Lünette ist flacher und breiter und die berühmte Kronenbrücke erlaubt fortan eine gesteigerte Wasserdichtigkeit und Stoßsicherheit.

Mehr als 4 Jahrzehnte später, im Jahr 1993, produzierte Panerai erstmalig eine Uhr, die für die Öffentlichkeit bestimmt war. Die neue Luminor bewahrte sich ihre charakteristischen Design-Traits und zog schnell die Aufmerksamkeit der gesamten Branche auf sich. Eine Lifestyle-Marke war geboren, deren Siegeszug von prominenten Markenbotschaftern und deklarierten Paneristi wie Sylvester “Sly” Stallone oder Arnold Schwarzenegger vorangetrieben wurde.

Das Design heute

Radiomir: Der Vergleich der beiden Modelle Radiomir und Luminor hat heute längst nicht mehr mit der jeweiligen Leuchtmasse zu tun, nach der die beiden Modelle ursprünglich benannt wurden. Die Unterschiede betreffen heute vor allem das Design, denn in technischer Hinsicht schenken sich die beiden nicht allzu viel: Sowohl Radiomir- als auch Luminor-Modelle werden entweder mit ETA-basierten (oft das Unitas 6497) oder mit den Inhouse-Werken P.3000, P.3000 bzw. P.9000 ausgestattet. Panerai_Radiomir_Watches1Keine Frage, die Radiomir ist die elegantere der beiden Panerai Kollektionen: Die dünn geschwungenen Bandanstöße und die Kissenform im Stile der 1920er Jahre machen selbst die XL-Variante zu einer Uhr, deren Begleitertätigkeit selbst im Beisein von Anzug und Schlips nur bedingt für Verwunderung sorgen würde. Wem die Vintage-Anleihen Panerais so noch nicht genug sind, für den wird - wie auch im Falle der Luminor - eine eigene Heritage-Modellreihe angeboten: In Anlehnung an ihre beiden jeweiligen historischen Epochen steht hier die Radiomir 1940 der Luminor 1950 gegenüber. Überhaupt ist das eine Modell auch immer implizit als die Antwort des jeweils anderen zu verstehen und erhält auch so erst ein sinnstiftendes Moment. Wäre Radiomir nicht gewesen, wäre auch Luminor niemals entstanden. Die Gehäusegröße der Radiomir reicht von 42 bis 47 mm, wobei gegenwärtig auch ein Modell mit 48 mm angeboten wird.
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Luminor: Die Luminor ist für viele der Archetyp einer Panerai. Wer Panerai sagt, meint oft in Wahrheit Luminor. Mit ihrem markanten Äußeren und dem typischen Kronenschutz, der irgendwie an die Miniaturversion eines Hobel-Einspanners erinnert, ist sie so Panerai wie der dreizackige Stern Mercedes ist. Die Bandanstöße sind deutlich breiter und präsenter im Vergleich zu den schlankärmligen oberen und unteren Gehäuseextremitäten der Radiomir. Neben dem Design unterscheiden sich die beiden Modelle vor allem hinsichtlich ihrer Wasserdichtigkeit: Während die Radiomir einem Druck von 10 Bar (= 100 Meter) standhält, optiert man im Falle des Kaufs einer Luminor nicht zuletzt aufgrund der Kronenschutzvorrichtung auf eine Wasserdichtigkeit von 300 Metern. Die Standardgröße der Luminor entspricht einem Gehäusedurchmesser von 44 mm.
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Radiomir oder Luminor

Eine Gegenüberstellung von Radiomir und Luminor läuft auf einen Vergleich des Designs hinaus und ist somit am Ende immer subjektiver Natur. Bevorzugt man die bekannteste aller Panerais mit ihrem Signatur Kronen-Bügel oder wählt man die etwas zurückhaltendere Radiomir? Die Standardgröße der Radiomir ist mit 45 mm um einen Millimeter größer als bei der Luminor. Aufgrund der markanten Kronenbrücke überträgt sich dieser Unterschied jedoch keineswegs auf das Handgelenk. Ganz im Gegenteil: Die Luminor sitzt trotz der nominell kleineren Größe präsenter auf dem Handgelenk als das Schwestermodell Radiomir.
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Wer gerne mit unterschiedlichen Armbändern für Abwechslung sorgt, der sollte beachten, dass sich das Wechseln des Armbandes bei der Radiomir aufwändiger gestaltet als im Falle der Standard-Federstege der Luminor. Hier müssen zuerst jeweils zwei Schrauben auf der Gehäuserückseite gelöst werden, ehe die aus zwei Teilen bestehenden Bandanstöße vom restlichen Gehäuse getrennt werden können.

Wie sieht es nun aber mit den Preisen aus? Wenn wir zwei vergleichbare Modelle beider Serien gegenüberstellen, ist die Radiomir etwas günstiger. Allerdings ist der Unterschied zu gering, um die Entscheidung für das ein oder andere Modell vom Preis abhängig zu machen. Bei der Variante Base mit Manufakturwerk P.5000 in der Standardgröße in Stahl liegt Preisunterschied bei 300 EUR.
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Welches Modell die bessere Wahl ist, lässt sich ohnehin nicht unter Preis-Leistungs-Gesichtspunkten beantworten, sondern ist einzig und allein eine Frage des persönlichen Geschmacks. Während die Luminor über einen noch höheren Wiedererkennungswert verfügt, ist die Radiomir das elegantere Modell, dessen DNA sich etwas subtiler offenbar.




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