Rolex vs. Omega

Zwei Weltmarken im Vergleich


Rolex oder Omega...? James Bond hat die Frage bereits für sich beantwortet: In Casino Royal folgt auf die Frage „Rolex?“ Bonds verneinende Antwort „Omega“, was schließlich mit einem „Beautiful!“ quittiert wird. Ein gar nicht mal subtiles Product Placement und zugleich eine Breitseite in Richtung Rolex. Diverse Rankings, die den Wert von Uhrenmarken erfassen, sehen Rolex weiterhin unangefochten auf Platz 1 – direkt gefolgt von Omega auf Platz 2. Doch nicht nur die führende Position der beiden Branchengranden, sondern auch die ähnliche Markenausrichtung stellt viele potentielle Käufer vor die Wahl zwischen zwei Uhrenmarken, die in den letzten Jahrzehnten die sportlich-elegante Herrenuhr von heute wie keine andere geprägt haben.

Markenassoziationen finden häufig unbewusst und auf Grundlage von Sammelsurien an Bildern und Meinungen statt. Auch wenn ein pauschaler Vergleich immer die Realität vereinfacht und die Modellvielfalt beider Marken außer Acht lässt, verfügen beide Marken über ein konsistentes Markenprofil, mit dem sie sich vom jeweils anderen unterscheiden. In den meisten Fällen findet die Wahl zwischen zwei Marken ohnehin auf emotionaler Ebene statt und entbehrt in weiten Teilen einer objektiven Grundlage. Einmal die Kaufentscheidung getroffen, hält man dann häufig auch für kommende Anschaffungen demselben Hersteller die Treue, sodass sie nicht selten den Pfad für die weitere Sammlerkarriere vorzeichnet. Im Folgenden werden die beiden Marken Rolex und Omega in den Kategorien Firmenhistorie, Markenwahrnehmung, Produkt und Wirtschaftlichkeit miteinander verglichen. Auch wenn dieser Vergleich in hohem Maße subjektiv bleibt, wird versucht, jedweden Pathos außen vor zu lassen.

1. Firmenhistorie

Rolex: Kaum ein anderer Hersteller hat in seiner Geschichte ähnlich viele Patente eingereicht wie Rolex. Anders als häufig behauptet, hat Rolex weder die wasserdichte Uhr, noch den automatischen Aufzug erfunden. Dennoch kam der Manufaktur auf beiden Gebieten eine bedeutende Rolle zu: Beim Automatikaufzug war es der vollständig drehende Rotor im Unterschied zur unterbrochenen Zirkulation der Schwungmasse, die von Harwood erfunden worden war (“Hammerautomatik”).
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Rolex' Verdienste für die Entwicklung wasserdichter Uhren fanden gleich auf mehreren Ebenen statt: Auch wenn es für die Lösung des Wasserdichtigkeitsproblems auch schon davor mehr oder weniger brauchbare Lösungen gab, brachte die Erfindung der verschraubbaren Krone im Jahr 1926 die Uhrenindustrie einen entscheidenden Schritt weiter und erbrachte man mit dem berühmten Schwimmversuch von Mercedes Gleitze und ihrer um den Hals gehängten Rolex Oyster auch noch medienwirksam den empirischen Wasserdichtigkeitsbeweis. Man nahm gleichzeitig eine Schlüsselrolle für die flächendeckende Nutzung für sowohl wasserdichte als auch automatische Uhren ein und hat damit die moderne Armbanduhr maßgeblich geprägt.

Innovationskraft in der Vergangenheit: 10/10
Ikonenstatus: 10/10
Prestige in der Vergangenheit: 9/10
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Omega: Wenn man auch im Laufe der Unternehmensgeschichte insgesamt weniger Patente eingereicht hat als Rolex, zählt Omega dennoch ganz klar zu den geschichtsträchtigsten Herstellern der Branche. Buzz Aldrin machte die Omega Speedmaster Professional zur ersten Uhr am Mond und in einem Wettlauf mit einer Handvoll anderer Hersteller setzte man auch bei der Entwicklung der modernen Taucheruhr Maßstäbe. Schon bevor die Marke in Omega umbenannt worden war, setzte man einst mit der ersten Armbanduhr mit Minutenrepetition einen Meilenstein. In den 1960ern war Omega die Uhrenmarke schlechthin. Häufig ist zu hören, dass Omega einst das war, was für viele Rolex heute ist: die absolute Referenz im Bereich hochwertiger Alltagsuhren.
OmegaRolex_Omega_Speedmaster_Vintage-3022
Innovationskraft in der Vergangenheit: 9/10
Ikonenstatus: 10/10
Prestige in der Vergangenheit: 10/10

2. Markenwahrnehmung

Rolex: Rolex ist synonym für unverwechselbare Designs, die seit Jahrzehnten kaum Veränderungen unterliegen und den Uhren damit - gepaart mit der symbolträchtigen Krone und dem aussagekräftigen Rolex-Schriftzug - einen hohen Wiedererkennungswert verschaffen. Innerhalb der Uhrencommunity ist Rolex nach wie vor die absolute Referenz für die Fertigung alltagstauglicher Luxusuhren. Gleichzeitig ist die Marke Sinnbild für Luxus und Wohlstand, weshalb ihr ein gewisses Neureich-Image anhaftet. Wer aber Rolex-Uhren für ihre Geschichte und Fertigungsqualität schätzt, lässt sich davon ohnehin kaum beeindrucken.
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Wahrnehmung und Wirklichkeit liegen häufig ein gutes Stück weit auseinander: Wer die Marke nur vom Hörensagen kennt und in erster Linie mit Gold und Glitzer verbindet, ist sich oft nicht bewusst, dass die fünfzackige Rolex-Krone in der Fachwelt vor allem mit Uhrenikonen aus Stahl und ihren herausragenden Laufeigenschaften in Verbindung gebracht wird. Auch beinhaltet die Kollektion vergleichsweise kleinere Gehäusedurchmesser, die die 40-Millimeter-Grenze nur selten überschreiten. Das manchmal im deutschsprachigen Raum vorherrschende Bild der üppigen Rolex aus Gold hat deshalb nicht wirklich etwas mit der Marke oder ihren Produkten selbst zu tun.

Wiedererkennungswert: 10/10
Image des Trägers: 8/10
Renommee in der Fachwelt: 10/10
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Omega: So wie Rolex hat auch Omega zahlreiche Armbanduhrenikonen hervorgebracht, doch im Unterschied zur Marke mit der Krone waren die meisten Modelle von Omega im Laufe der Jahrzehnte einem größeren optischen Wandel unterworfen. Trotzdem: Das Omega-Logo auf dem Zifferblatt kennt wirklich jeder und die Modellpalette mit den Zugpferden Speedmaster, Seamaster, Constellation und DeVille ist durch eine Kontinuität gekennzeichnet, die man bei anderen Herstellern lange sucht. Bestes Beispiel: Die Omega Seamaster ist seit 1947 wesentlicher Bestandteil des Omega Markenportfolios.
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Omega hegt und pflegt sein Image mit zahlreichen Sponsorships und Testimonials und verkörpert nicht zuletzt dank George Clooney und James Bond wie keine andere Marke den modernen Gentleman. Auch was das Image in der Fachwelt angeht, braucht sich Omega als technisch versierter und fortschrittsorienter Hersteller keineswegs hinter Rolex zu verstecken.

Wiedererkennungswert: 9/10
Image des Trägers: 10/10
Renommee in der Fachwelt: 9/10

3. Produkt

Rolex: Zwar verfügt Rolex insgesamt über einen deutlich kleineren Modellkatalog als Omega, jedoch gibt es bei Modellen wie der Day-Date und der DateJust unzählige Costumizing-Möglichkeiten, sodass Zifferblattvariante, Lünette und Armband den eigenen Vorstellungen entsprechend zusammengestellt werden können. Die Verarbeitung von Rolex-Uhren ist durchwegs auf allerhöchstem Niveau und während Produktionsanomalien bei Omega äußerst selten auftreten, sind sie bei Rolex so gut wie ausgeschlossen. Da, wo in der Vergangenheit (auf hohem Niveau) gemeckert wurde, wurde punktuell nachgebessert.

Rolex lebt von seinen Modellklassikern und führt diese mit großer Bedachtsamkeit in die Gegenwart. Dennoch besteht die Hauptaufgabe der F&E-Abteilung keineswegs darin, in Nostalgie zu schwelgen. Innovationen liegen hierbei oft im Detail. Materialentwicklungen wie jene der Parachrom-Spiralfeder und der Cerachrom-Lünette zeigen, dass diese stets im Dienste von Nutzerfreundlichkeit und Langlebigkeit stehen.
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Gelegentlich wird bemängelt, dass sich die Modelle von Rolex optisch im Laufe der Jahre kaum verändert haben. Doch ist gerade der Umstand, dass kaum neue Design-Konzepte verwirklicht werden, Ausdruck einer zeitlosen Funktionalität und Ästhetik. Egal ob in den 1960ern oder heute - die Entwürfe von DateJust, GMT-Master und Co. funktionieren und werden im 20. wie im 21. Jahrhundert gleichermaßen kopiert und referenziert.

Technik: 9/10
Produktauswahl: 8/10
Produktdesign: 10/10
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Omega: Bei Omega folgt man einer einfachen Prämisse: Entwerfe Uhren, die den Geschmack einer größtmöglichen Personenzahl möglichst gut trifft. Dabei schlägt man beharrlich in die Kerbe sportlich eleganter Designs, die das Markenportfolio schon seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten prägen. Auch wenn man sich das ein oder andere Mal die Frage stellt, ob nicht ein bisschen mehr Unerwartetes gut tun könnte, ist das Sortiment zwischen De Ville und Seamaster Diver durchaus breit gestreut und holt so gut wie jeden Uhrenliebhaber ab.
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Omega-Uhren sind im Vergleich zu Rolex-Modellen im Durchschnitt um einen Tick größer und liegen mit wenigen Ausnahmen wie der kleinen Variante der Seamaster Aqua Terra über der 40-Millimeter-Marke. Bei zahlreichen Modellen lässt sich über einen Sichtglasboden das Werk bei der Arbeit betrachten, während Rolex-Uhren grundsätzlich keinen Einblick in das Uhrinnere gewähren.

Technisch ist Omega sehr stark fortschrittsorientiert: So war man war der erste Hersteller, der mit der Co-Axial-Hemmung die vielleicht bedeutendste uhrmacherische Entwicklung des 20. Jahrhundert kommerziell nutzte. Die Position des Herausforderers, die Omega gegenüber Branchenprimus Rolex einnimmt, wird auch produktseitig deutlich: Da wären etwa Designs, die mehr oder weniger vage als Designreferenzen an Rolex-Klassiker gedeutet werden können (Speedmaster Racing, Seamaster Aqua Terra) oder technische Innovationen auf Feldern, die einst untrennbar mit Rolex in Verbindung gebracht wurden (Master Co-Axial 15.000 Gauss als Antwort auf die Rolex Milgauss).

Technik: 10/10
Produktauswahl: 10/10
Produktdesign: 9/10

4. Wirtschaftlichkeit

Rolex: Der Werterhalt einer Uhr ist zwar immer vom einzelnen Modell abhängig, jedoch spielt die Marke eine entscheidende Rolle. Rolex-Sportmodelle, vor allem jene aus Stahl, gelten als die vielleicht wertbeständigsten Uhren am Markt. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass sich Rolex-Uhren durch eine hohe Widerstandsfähigkeit und Verlässlichkeit auszeichnen. Vor allem stehen sie im Ruf, auch nach vielen Jahren ohne Service immer noch erstaunlich genau ihren Dienst zu verrichten. Ein weiteres Argument für den Kauf einer Rolex ist die Garantiedauer von vollen fünf Jahren, die für die gesamte Kollektion gewährt wird.
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Langlebigkeit, Wartung, Garantie: 10/10
Wertbeständigkeit: 10/10
Preis/Leistung: 8/10
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Omega: Kaum ein anderer Luxusuhrenhersteller hat in den letzten Jahren ähnlich viele Anstrengungen für die Fertigung wartungsarmer und alltagstauglicher Uhren unternommen. Auch wenn sich die Co-Axial-Hemmung als nicht vollständig schmierfrei offenbarte, konnten die Wartungszyklen gegenüber der Schweizer Ankerhemmung in Verbindung mit einem speziellen Schmieröl doch entscheidend verlängert werden. (So wie bei Rolex wird auch bei Omega empfohlen, die Uhr alle fünf Jahre zum Service einzuschicken.) Auch das für den Alltag relevante Problem des Magnetismus wurde durch Hemmungen mit einer Magnetresistenz von bis zu 15.000 Gauss behoben.
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Für die Kosten-Nutzen-Rechnung kann auch die Garantielaufzeit ins Gewicht fallen. Sämtliche Co-Axial-Modelle der aktuellen Kollektion verfügen über eine über die Standardlaufzeit von 2 Jahren hinhaus verlängerte Herstellergarantie von vier Jahren. Hinsichtlich des Servicedienstes ist hervorzuheben, dass man sich als Kunde jederzeit direkt an die Swatch-Group in Pforzheim wenden kann, während man bei den meisten anderen Marken - so auch bei Rolex - im autorisierten Händler den ersten Ansprechpartner findet.

Was die Wertentwicklung von Omega angeht, ist zu sagen, dass sich im Vergleich zu Rolex das Sammlerinteresse auf einen etwas kleineren Kreis an Modellen der Seamaster (z.B. Ploprof, Diver 300) und Speedmaster Serie (z.B. Mark II, Professional) konzentriert. Wenn auch nicht auf Rolex-Niveau, können jedoch auch Omega-Uhren als insgesamt durchaus wertstabil bezeichnet werden. Das für viele entscheidende Argument für Omega in diesem Markenduell ist das attraktive Preisleistungsverhältnis: Auch wenn die Preistendenz wie bei anderen Marken auch in den letzten Jahren Richtung Norden zeigte, bietet man vergleichsweise immer noch ein Mehr an Uhr für den Euro.

Langlebigkeit, Wartung, Garantie: 10/10
Wertbeständigkeit: 8/10
Preis/Leistung: 9/10

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