Ein erster Blick auf die neue Heuer Autavia

A CLOSER LOOK


Die Meldung schlug ein wie eine Bombe und doch war sie nicht ganz überraschend: TAG Heuer lässt den Klassiker Autavia neu aufleben und vervollständigt damit das Trio der drei vielleicht bekanntesten Vertreter der Vintage-Heuer-Chronofraktion. Wie man es von Heritage-Modellen der Marke aus La Chaux-de-Fonds gewohnt ist, trägt auch dieses Modell wieder den nostalgischen Heuer-Schriftzug, der ganz ohne das vorangestellte "TAG" auskommt und damit an die großen Klassiker aus der Prä-TAG-Ära erinnern soll. Wir geben einen exklusiven Blick auf den Prototypen des viel diskutierten Modell-Relaunchs, diskutieren Reaktionen aus dem Netz und geben unseren eigenen Take ab.
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Wie es zum Design des Autavia Prototypen kam

Der Produktion des Autavia Prototypen ging zunächst eine Online-Befragung voraus. TAG Heuer stellte einige Zifferblattvarianten zur Auswahl und fragte Heueristi (und alle anderen, die dazu eine Meinung abgeben wollten) nach ihrem Design der Wahl. Schließlich sollte die “Jochen Rindt”-Version mit schwarzem Zifferblatt und drei weißen Totalisatoren das Rennen machen. Gemeint ist damit die Referenz 2446 mit schwarzem Zifferblatt mit weißen Totalisatoren, wie sie auch von dem österreichischen Formel-1-Piloten und bis heute einzigen posthumen Weltmeister getragen wurde. Erwähnenswert ist nicht nur das Zifferblatt, sondern auch das Gehäuse, welches nicht die typisch ovale Formgebung vieler anderer Autavia-Referenzen aufweist. Auch wenn die Entscheidung für dieses Design aufgrund dessen Beliebtheit unter Vintage-Sammlern alles andere als überraschend ist, fiel meine persönliche Wahl auf die Variante mit durchgängig weißem Zifferblatt und zwei Totalisatoren. Trotzdem: Auch mit dem "Jochen Rindt"-Design kann ich mich durchaus anfreunden (nachstehend ein Bild einer frühen Referenz 2446). 
Vintage_Heuer_Autavia_Jochen_Rindt_1
Der Prototyp der neuen Autavia wurde schließlich beim diesjährigen Heuer Collector Summit vorgestellt. Auch ich durfte mich zu einem der Rund 30 Sammler und Experten aus aller Welt zählen, die einen ersten Blick auf dieses viel gehypte und noch mehr diskutierte Modell werfen durften. Um es vorwegzunehmen: Der Großteil der Event-Teilnehmer zeigte sich überaus begeistert vom neuen Autavia-Entwurf. Selbst Vintage-Sammler konnten der neuen Autavia etwas abgewinnen und das, obwohl die Uhr mit einem Durchmesser von 42 Millimetern typische Vintage-Größen deutlich überschreitet und eher dem modernen Standard entspricht.
TAG_Heuer_Autavia_Prototype_Jochen_Rindt
Die Heuer Autavia soll das Kaliber CH81 erhalten, jedoch wurde der Prototyp zunächst mit einem “Ausstellungswerk” ohne Rotor ausgestattet. Dass es sich dabei um ein Provisorium handelt wird nicht zuletzt an der liegenden "8" erkennbar, da das Uhrwerk in dieser Form für eine Datumsindikation bei 3 Uhr bestimmt ist. Einige Details werden sich bis zur offiziellen Präsentation bei der Baselworld 2017 sicherlich noch ändern. Etwa ist davon auszugehen, dass die Indizes überarbeitet werden und sich die Farbe der Leuchtmasse noch geringfügig ändern könnte. (Wenn man sich die Bilder des Prototypen genau ansieht, stellt man fest, dass die Farbe der Leuchtmasse auf den Zeigern noch nicht mit jener auf dem Zifferblatt übereinstimmt.) Dementgegen werden Gehäusegröße und Gehäusehöhe sowie das Design der Lünette bis zum offiziellen Release mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr verändert werden.
New_Heuer_Autavia_WristShot
Die ersten Bilder der neuen Autavia sorgten schnell für große Aufmerksamkeit im Netz. An die 2 Millionen Likes sorgten innerhalb der ersten 2 Tage für einen enormen Hype auf Social Media. Darunter fanden sich natürlich nicht nur Lobeshymnen, sondern auch einige Kritikpunkte, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll.

Die Datumsanzeige

Die Datumsanzeige gehört mit Sicherheit zu den meistdiskutierten Designelementen der neuen Autavia. Um ganz ehrlich zu sein, kann ich die Aufregung darum nicht ganz nachvollziehen. Diejenigen, die ihren Unmut über das Datumsfenster äußern, haben die Uhr mit Sicherheit nicht in Natura gesehen. Die Zifferblatt-Ausfräsung ist wirklich dezent gehalten. Da das Datumsfenster in keinerlei Umrandung eingefasst wurde, ist es außerdem in keiner Weise optisch hervorgehoben ist. Auch die Position bei 6 Uhr kommt der Balance und Ästhetik sehr entgegen, sodass das Datum wirklich erst bei näherer Betrachtung auffällt. Natürlich ist das Datum auch ein Zugeständnis an ein zeitgenössisches Uhrenpublikum oder wie Jean-Claude Biver selbst sagt: “Diese Uhr ist nicht für euch (gemeint sind damit Sammler von Vintage-Heuers), sondern für den Konsumenten, für jemanden, der sich eine schöne Uhr leisten möchte.”
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Die Gehäuseabmessungen

Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die Abmessungen der Uhr. Denkt man aber an manch opulentes Heritage-Modell aus dem Hause Omega oder Panerai, fällt die Autavia einigermaßen moderat aus. In Zahlen misst die Uhr 42mm im Durchmesser und hat eine Gehäusehöhe von 15mm. Wie sich eine Uhr am Handgelenk anfühlt, ist jedoch ein ganz anderes Thema. Die neue Heuer Autavia, vorbehaltlich etwaiger Änderungen in den Gehäuseabmessungen, trägt sich wirklich angenehm und drängt sich dem Träger niemals auf. Persönlich bin ich der Ansicht, dass die moderne Interpretation auch aufgrund der modernen Gehäusegröße ein Erfolg wird. Einige Teilnehmer des Collector Summits waren auch gleich an einem Kauf interessiert, was mich zurückführt auf das obige Zitat von Jean-Claude Biver. Ich denke sehr wohl, dass es sich hier um eine Uhr handelt, die auch den ein oder anderen Vintage-Liebhaber überzeugen könnte. Wenn schon nicht für sich selbst, dann vielleicht als Uhren-Geschenk für den erstgeborenen Sohn oder Lieblingsneffen.
TAG_Heuer_Autavia_Wristshot

Warum die Kritik nicht gerechtfertigt ist.

Wo etwas Neues vorgestellt wird, werden auch immer zunächst kritische Stimmen laut. Das kennen wir auch aus anderen Branchen und ist wohl tief in der menschlichen Natur verankert. Es entspringt einem uns innewohnenden Konservativismus, Dinge, die uns aus der Reserve locken und sich von der eigenen Comfort-Zone unterscheiden, erstmal abzulehnen. Ob das Design nun gefällt oder nicht: Ein Buch sollte genauso wenig nach seinem Umschlag beurteilt werden wie eine Uhr auf der Grundlage einzelner Fotos. Dies gilt vor allem auch für die neue Autavia, die ihre wahre Stärke auf dem Handgelenk entfaltet. Wie so oft, wird der Erfolg letztlich auch hier an den Zahlen gemessen. Geschmäcker sind nunmal verschieden und haben die Eigenschaft, einem permanenten Wandel unterworfen zu sein. Natürlich kann auch die neue Autavia nicht jedem gefallen. Doch für jede kritische Stimme, fand ich mindestens 3 Personen, die sich vom neuen Autavia-Entwurf begeistert zeigten. 
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Meine Meinung zur neuen Heuer Autavia

Auch wenn mir meist einfache und aufgeräumte Zifferblätter gefallen, bin ich durchaus überzeugt vom Design des Heuer Autavia Prototypen. Die Heuer Autavia ist durchaus präsent, aber niemals aufdringlich. Mit dem CH81 samt Aufzugsrotor wird sie vielleicht noch das ein oder andere Gramm an Gewicht dazugewinnen, doch sollte dies die haptischen Eigenschaften der Uhr nicht grundlegend ändern. Auch die Abmessungen der Lünette gefallen mir persönlich sehr gut. Sie fällt weder zu breit, noch zu schmal aus. Für meinen Geschmack könnten die Kanten der Bandanstöße noch ein wenig definierter sein, um damit auch hinsichtlich des Gehäuses noch näher bei der Autavia 2446 zu liegen. Eine Sache, die sich bereits in der Vergangenheit als Glücksgriff erwiesen hat, ist der legendäre Heuer-Schriftzug ohne die Initialen der TAG-Gruppe (Technique d’Avant Garde), mit der sich Heuer im Jahr 1985 zusammenschloss. Ein unentbehrliches Detail, welches erst die Autavia von damals, wenn auch in modernisierter Form, neu auferstehen lässt und deren Zifferblatt sich von der Heuer Autavia Ref. 2446 von damals kaum unterscheidet.

Basisdaten

Gehäusedurchmesser: 42mm
Gehäusehöhe: 15,1mm
Schwarzes Zifferblatt mit Chronographen und drei Totalisatoren
Automatikwerk CH81




ÜBER DEN AUTOR


Boris_Pjanic_MontredoContributor

Boris Pjanic

Boris Pjanic hat 1998 angefangen Vintage-Uhren zu sammeln zu einer Zeit, als der Hype von heute noch sehr weit entfernt war. Damals war Pjanic noch wohnhaft in Chicago. Seine Liebe für alte Uhren hat seit Kindesbeinen in ihm geschlummert. Warum weiss er selber nicht. 2008 hat er sein Blog watchesandart.com gegründet, damals noch in Chicago. Seit 2010 handelt er mit Vintage-Uhren in Deutschland.



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