Top 7 (und 1/2) französische Uhrenmarken

WEIT MEHR ALS CARTIER


Uhrmacherkunst aus Frankreich ist weit mehr als Cartier. Noch bevor der globale Siegeszug der Schweizer Uhrenindustrie Einzug hielt, war Frankreich wichtiges Zentrum der hohen Uhrmacherkunst. Als Tausende von Hugenotten auswanderten, verlor Frankreich einen Großteil seiner begnadetsten Uhrmacher - und zwar vor allem an Länder wie die USA und die Schweiz, die schließlich Frankreichs Vorreiterrolle übernehmen sollten. Und doch nahm Frankreich mit Herstellern wie Breguet und später Cartier weiterhin eine bedeutende Rolle im technischen und kommerziellen Wettstreit ein. Neben einigen echten Achttausendern der horologischen Topographie, die heute teilweise verschwunden sind oder zumindest nicht mehr in Frankreich ihren Sitz haben, finden sich auch einige jüngere Hersteller in der französischen Markenlandschaft. Eine kleine Reise von Charquemont nahe der Schweizer Grenze über das Uhrmacherzentrum Besançon bis nach Paris.

7. Michel Herbelin

Michel_Herbelin_Newport_Yacht_Club_Chronograph

Charquemont. Die Reise beginnt nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt - genau genommen im zum Departement Doubs gehörigen Ort Charquemont, gelegen inmitten des Französischen Juramassiv direkt auf einem ausgedehnten Hochplateau.

Im Jahr 1947 wurde dort die Marke Michel Herbelin gegründet. Das bekannteste Modell des französischen Herstellers ist wohl die in den 1980ern vorgestellte Newport Yacht Club, ein nautischer Zeitmesser mit stegförmigen Bandanstößen. Abgerundet Modellen, die optisch an große Designklassiker wie die Cartier Tank, Santos oder die Audemars Piguet Royal Oak erinnern, kocht man sich sein eigenes Süppchen aus teils Altbewährtem und teils Neuem. Von Anfang an war der Fokus dabei auf die Fertigung hochwertiger Uhren zum attraktiven Preis gerichtet. Ein Hauch von Luxus zu einem angemessenen Preis lautet hierbei die Prämisse. Ausgestattet werden die Uhren meist mit Quarzwerken des Herstellers Ronda oder mit mechanischen Kalibern von ETA. Häufig werden die Uhren - in einer Preisklasse von etwa 1.000 EUR eigentlich eher unüblich - auch mit Brillanten besetzt. Michel Herbelin wird bis heute unabhängig von Charquemont aus geführt.

6. Dodane

Dodane_Type_21_Pilot_Chronograph

Besançon. So wie Charquemont im Departement Doubs gelegen, findet sich dessen Verwaltungssitz Besançon etwa 80 km weiter östlich. Es ist der Ort, der als das historische Zentrum der französischen Uhrenindustrie gilt. Der Status Besançons als Uhrenstadt reicht sogar so weit, dass sich der Herkunftsort - ähnlich wie das deutsche Glashütte - in gewisser Weise auch als Marke verselbständigte. In den letzten Jahren knüpft die Stadt wieder verstärkt an seine große Geschichte an und erlebt mit der Neugründung einiger historisch bedeutender Marken einen Aufschwung.

Eine davon ist Dodane. Die Geschichte der Marke reicht bis ins Jahr 1857 zurück, als man sich einen Namen als Hersteller von militärischen Fliegeruhren und Flyback-Chronographen machte. Man fertigte nicht nur Taschen- und Armbanduhren, sondern auch Bordinstrumente für die zivile und militärische Luftfahrt. Im Jahr 2013 wurde die Marke durch den persönlichen Einsatz von Cédric and Laurent Dodane, Nachkommen fünfter Generation, wiederbelebt und die Produktion neu aufgenommen. Im Zentrum der heutigen Kollektion stehen die beiden Piloten-Chronographen Type 21 und Type 23, beides Weiterentwicklungen der legendären Type XX (Type 20), und auch Onboard-Chronographen sind weiterhin Bestandteil des Markenportfolios. Zum Einsatz kommen dabei ETA basierte Uhrwerke mit Chronographen-Modulen von Dubois Depraz. Neben der Fertigung von robusten und gut ablesbaren Zeitmessern im Dienste der Aeronautik stand immer auch die Produktion von Chronometern im Vordergrund. Heute kann man auf Wunsch jedes Modell von der offiziellen Chronometer-Prüfstelle in Besançon zertifizieren lassen.

5. Alain Silberstein

Alain_Silberstein_Marine_Chronograph

Besançon. Wir bleiben in Besançon. Man kann es Ironie nennen, dass gerade das historische Uhrmacher-Zentrum Frankreichs, dessen Geschichte bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht, einen Hersteller wie Alain Silberstein hervorbrachte.

Die Kollektionen des gelernten Innenarchitekten, dessen Leidenschaft im Jahr 1990 in die Gründung der nach ihm benannten Luxusuhrenmarke mündete, sind zusammengewürfelt aus einem wilden Mix an Formen und Mustern, kombiniert mit den vier Grundfarben der Gegenfarbtheorie. Irgendwie 90er und irgendwie auch Pop Art - eine Uhr von Alain Silberstein erkennt man unweigerlich als solche. Das nur scheinbar randomisierte Zusammenspiel der unterschiedlichsten geometrischen Formen sticht in jedem Fall heraus aus der Masse. Klar, dieser ungehaltene Stilritt ist nicht jedermanns Sache und die Uhren von Alain Silberstein wollen auch nicht jedem Gout entsprechen. Gleichwohl ist der Einfluss auf die Uhrendesigns der letzten 20 Jahre unumstößlich und hat mit den bunten Uhren von Swatch (die Uhrenmarke, nicht der Konzern) auch den Massenmarkt beeinflusst. Im Jahr 2012 wurde die Produktion von Alain Silberstein eingestellt. Was geblieben ist, ist eine Uhrenmarke, die so manche Konventionen über Bord warf und die Designs der Folgejahre mitprägte. Wenn auch nicht für die nach ihm benannte Uhrenmarke entwirft der gelernte Innenarchitekt Alain Silberstein auch heute noch Uhren - so etwa die MB&F “LM1 Silberstein”, eine Sonderedition der Legacy Machine N°1. Da Alain Silbersteins Entwürfe wohl immer Reiterationen der Silberstein’schen Design-Formel sein werden, hat auch die Marke Alain Silberstein in gewisser Weise auch weiterhin Bestand.

4. L. Leroy

Besançon. Le Roy ist einer der großen Namen der französischen Uhrmacherkunst, dem im 18. Jahrhundert vor allem auf dem Gebiet der Fertigung von Marine- und Schiffschronometern eine wichtige Rolle zukam. Die hohe Ganggenauigkeit der Zeitmesser von Basile Le Roy brachte dem Uhrmacher zahlreiche Preise ein. Und auch an anderer Stelle leistete der Hersteller viele Jahre später einen bedeutenden Beitrag: Mit dem “Systeme de remontage automatique” ebnete man den Weg für den nur 2 Jahre später entwickelten Selbstaufzug durch John Harwood. Mithilfe der Festina Group wurde es möglich, die Tradition der Manufaktur neu zum Leben zu erwecken. Aus dem Namen Le Roy wurde L. Leroy. Was die Ausrichtung angeht, setzt man auf das Firmenerbe und positioniert sich im High-End-Segment, wobei man den Schwerpunkt bei der Fertigung von möglichst genauen Zeitmessern und Tourbillons setzt. Auch stilistisch orientiert man sich an der Firmenhistorie: Den auch heute nautisch geprägten Designs wird ein traditionalistischer Grundton zugrunde gelegt, der an die Stilsprache des Barock erinnert. Guillochierte Zifferblätter finden sich hier ebenso wie gebläute Zeiger, Breguet-Ziffern und aufwändig skelettierte Zifferblätter.

3. Bell & Ross

Bell & Ross Aviation 42 Automatic GMT

Paris. Von Besançon nun aber direkt in die Seine-Metropole. Im Sog der urbanen Kultur einer Weltstadt ist das Thema Uhren vielleicht nicht so bestimmend wie etwa in Besançon oder Charquemont, wo ein bedeutender Anteil der Wertschöpfung auf die Uhrenbranche entfällt. Doch Uhrenmarken mit Sitz in Paris spielten schon immer eine international bedeutende Rolle und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.

Die Marke Bell & Ross wurde im Jahr 1992 in Paris gegründet und gehört damit zu den jüngeren Playern in der Uhrenbranche. Die Uhren erinnern an aeronautische Cockpitarmaturen und Markenzeichen sind die vier arabischen Ziffern in Übergröße, die dem Zifferblatt Orientierungspunkte geben und im Dienste einer optimalen Ablesbarkeit stehen. Simple Farben und Formen setzen einen Stil auf, der sich nicht gleich jedes Mal neu erfindet. Eine Beharrlichkeit, die die Stärke der Marke ausmacht. Die Marke prischt als Lifestyle-Uhr mit hohem Qualitätsanspruch in ein bisher hauptsächlich von Panerai besetztes Segment vor und auch bekannte Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen wie Tom Hanks oder Bruce Springsteen tragen Bell & Ross. Während Panerai-Uhren jedoch erst ab etwa 4 - 5 EUR zu haben sind, kriegt man eine Bell & Ross schon für knapp die Hälfte.

 


2. Breguet

Breguet Classique Le Reveil Du Tsar 39 Alarm

Paris. Auch wenn Breguet heute seinen Sitz im Schweizer L’Abbaye hat. Jene Jahre, in denen Uhrmachergenie Abraham Louis Breguet ein Atelier im 1. Pariser Arrondissement unterhielt, sind die uhrmacherisch wohl bedeutendsten eines einzelnen Uhrenherstellers in der gesamten Geschichte der mechanischen Zeitmessung. Der Einfluss jener Jahre war derart weitreichend und nachhaltig, dass Breguet deshalb auch heute noch zu einem gewissen Grad eine französische Uhrenmarke ist. Aber zuerst der Reihe nach. Über Kontakte mit seinem Stiefvater war es dem damals 15-jährigen Breguet möglich, in Versailles das Uhrmacherhandwerk zu lernen und schließlich im Quai de l'Horloge sein erstes Uhrmacher-Atelier zu eröffnen. Er wirkte dort über mehrere Jahrzehnte und hat dabei eine Vielzahl wegweisender Erfindungen und Stilelemente hervorgebracht, die einen solch weitreichenden Einfluss hatten, dass Begriffe wie Breguet-Spirale, Breguet-Zeiger oder Breguet-Ziffern heute zur Standard-Nomenklatur der Uhrmacherkunst gehören.

Auch die Königin der mechanischen Komplikationen, das Tourbillon, und die Fertigung der wohl ersten Armbanduhr der Geschichte gehen auf Abraham Louis Breguet zurück. Diese war für Caroline Murat, Königin von Neapel und jüngere Schwester von Napoleon Bonaparte in Auftrag gegeben worden. Überhaupt nannte fast der gesamte Napoleon’sche Clan eine Taschenuhr von Breguet sein Eigen - nicht zuletzt auch Napoleon selbst. Zum Kundenstamm gehörte das Who-Is-Who an Königen, Adelshäusern und historischen Persönlichkeiten, die von Marie Antoinette über Alexander von Humboldt bis hin zu Winston Churchill reichen. Abraham Louis Breguet liegt übrigens am Friedhof Père-Lachaise in Paris begraben. Die Geschichte der Uhrenmarke lässt sich im Breguet Museum am Place Vendome im 1. Pariser Arrondissement bestaunen.

 

1. Cartier

Cartier Tank Solo 31 Quartz Leather

Paris. Als einer der bekanntesten Uhrenhersteller, der Uhrenikonen wie die Modelle Tank, die Santos, die Ballon Bleu oder die Pasha hervorgebracht hat und seit der Gründung im Jahr 1847 bis heute durchgehend in Paris seinen Firmensitz hat, ist Cartier die logische Nummer eins dieser Auflistung. Gleichwohl auch bekannt für Schmuck, ist Cartier damals wie heute einer der bedeutendsten Uhrenhersteller und war maßgeblich an der Entwicklung hin zur flächendeckenden Vorherrschaft der Armbanduhr beteiligt. Während die weltweit erste Armbanduhr wohl auf das Konto von Breguet geht und für die erste in Serie produzierte Armbanduhr Girard Perregaux verantwortlich zeichnet, ist die Cartier Santos die erste Fliegeruhr und vielleicht überhaupt die erste kommerziell genutzte Armbanduhr. In jedem Fall ist es die Uhr, die zu Beginn des 20. Jahrhundert den großen Siegeszug der Armbanduhr gegenüber der Taschenuhr einläutete und - nachdem Armbanduhren zunächst das ultimative Go-To-Accessory für Damen war - schließlich auch zum fashionablen Begleiter für Herren machte. Cartier stand schon immer für Standout-Designs, mit denen man gegenüber Mitbewerbern hervorstach. Diese waren oft mehr mit Funktionalität und Ganggenauigkeit beschäftigt, de Design der Uhr wurde häufig eine untergeordnete Rolle zugeschrieben, was allerdings längst nicht mehr dem Geist der Zeit entsprach. Die Designs zeigten schnell Wirkung: Das Tragen einer Cartier war in manchen Kreisen schon fast Etikette. Greta Garbo und Grace Kelly hatten eine Cartier, genauso wie Cary Grant oder Andy Warhol.

und 1/2... Jaeger-LeCoultre

Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin

Paris. Bekannt ist, dass Jaeger-LeCoultre, eine der bedeutendsten Schweizer Uhrenmarken, aus dem Werkehersteller LeCoultre und dem Ebaucheur Jaeger aus Paris hervorging. Dem Pariser Uhrenatelier Jaeger hier nur die “Einschaler”-Rolle zuzuschreiben, ist jedoch weit gefehlt: Tatsächlich gehen einige bedeutende Erfindungen auf das Konto der Franko-Fraktion der heutigen Schweizer Nobelmarke. Beispielsweise wurde die Atmos, die erste Uhr, die ihre Energie aus Druckunterschieden im Zusammenhang mit minimalsten Temperaturschwankungen speist, von Jaeger entwickelt. Die Atmos ist damit - wenn man so will - jener Funktionsmechanismus, der dem Mythos des Perpetuum Mobile so nahe kommt wie keine andere Uhr. Auch die Bedeutung, die man der Fertigung möglichst kleiner Armbanduhren einräumte, geht auf das Konto des Hauses Jaeger. Dies mündete schließlich in die Fertigung der bis heute kleinsten mechanischen Uhr der Geschichte. Auch heute noch ist die Fertigung von besonders flachen und kleinen Gehäusen wesentlicher Bestandteil der DNA von Jaeger-LeCoultre.

 

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