Uhr läuft zu schnell oder zu langsam - Die häufigsten Gründe

THE HOROLOGICAL ADVISOR



Mit dem Spruch „Die Uhr läuft nach dem Mond“ wird man als Uhrmacher öfters konfrontiert. Damit kann ein Vorgang oder Nachgang gemeint sein. Die Aussagen der Kunden, wonach eine Uhr 10 Minuten Vorgang oder Nachgang hat, müssen jedoch immer vom Uhrmacher richtig interpretiert und häufig relativiert werden.

Wenn die Zeitwaage einen Vorgang von 8 Sekunden pro Tag feststellt, dann summiert sich dies über einen Zeitraum von zwei Monaten bei konstantem Gang auf etwa 8 Minuten, (8 s/d X 60d= 480 Sekunden = 8 Minuten). Ein eigentlich guter Wert erscheint also immer in einem anderen Licht, wenn man den Beobachtungszeitraum verlängert.

Die Faustregel für mechanische Uhren lauten: Eine Abweichung von +10 Sekunden pro Tag ist gut! An dieser Stelle folgt meistens ein Einwand des Kunden „Aber mein Nachbar hat mir erzählt, dass seine Rolex seit 5 Jahren ununterbrochen 0 Sekunden Abweichung pro Tag hat“. Das kann nicht stimmen, schon aus dem Grund, dass bei tragbaren Uhren der Isochronismus (gleichbleibende Schwingungen) nicht konstant bleiben kann.

Natürlich gibt es auch funktionale Mängel, die einen stärkeren Vor- oder Nachgang begründen und von einem Uhrmacher behoben werden sollten.

Hier sind nur ein paar Gründe für einen Vorgang:


• Eine Revision des Uhrwerks muss durchgeführt werden.
• Die Spirale ist magnetisiert worden (Vorgang von mehreren Stunden pro Tag sind hierbei möglich).
• Die Uhr hat einen heftigen Stoß erhalten und der letzte Umgang der Spirale ist übergesprungen.
• Die Spirale ist verklebt.
• Durch einen Stoß gegen die Uhr ist der Spiralschlüssel verstellt worden.

Hier sind ein paar Gründe für einen Nachgang:


• Eine Revision des Uhrwerks muss durchgeführt werden.
• Durch einen Stoß hat sich das Zifferblatt verschoben und streift an den Zeigerwellen.
• Durch einen Stoß gegen die Uhr ist der Spiralschlüssel verstellt worden.

Sollte Ihre Uhr vor- oder nachgehen, ist es ratsam einen Uhrmacher aufzusuchen, damit dieser die Ursache feststellen kann. In vielen Fällen reicht das Regulieren auf der Zeitwaage aus. Je nach Uhr kostet das zwischen 20.- und 50.- Euro. Bitte machen Sie es nicht so, wie ein Kunde von mir! Der hat versucht seine IWC Da Vinci selber zu regulieren und hat einen Schaden von 5000,- Euro verursacht.

Zum Schluss möchte ich nochmal auf das Thema Magnetismus zurückkommen. Der Uhrenhersteller Sinn hat herausgefunden, dass 80% aller Uhren, die zum Service in die Werkstatt kommen magnetisiert (mehr oder weniger) sind. Wieso? Weil wir von Magnetfeldern umzingelt sind. Denken Sie nur an Ihr Smartphone, Damenhandtasche mit Magnetverschluss, Musikboxen oder Kühlschränke. Das ist auch ein Grund, wieso die Uhrenhersteller seit ein paar Jahren Uhrwerke vermehrt mit Siliziumspiralen ausstatten. Im Falle einer antimagnetischen Armbanduhr würden somit viele Fälle von hohen Gangabweichungen gar nicht erst auftreten.

Grüße aus der Uhrmacherwerkstatt.


ÜBER DEN AUTOR


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Ulrich Kriescher

Ulrich Kriescher ist Uhrmachermeister und vereidigter Sachverständiger für das Uhrmacherhandwerk. Bekannt aus der ZDF-Sendung „kaputt & zugenäht“, betreibt er in Würselen bei Aachen eine Uhrmacherwerkstatt, die auf die Reparatur hochwertiger Uhren, insbesondere von Rolex, spezialisiert ist.



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