
Carrera 160 Years Silber: Alter Wein in Neu

Sie ist nett, die Neu TAG Heuer Carrera 160 Years Silber Limitierte Auflage. Und bitte versteht „nett“ hier nicht falsch! Entgegen der landläufigen Meinung ist „nett“ nicht die kleine Schwester von „Scheiße“, aber die Bedeutung passt perfekt zur TAG Heuer Carrera: Sie ist harmlos, sie ist tragbar, und niemand wird sich daran stören. Natürlich muss man die Uhrenindustrie ein wenig verteidigen, denn der durchschnittliche Uhrenkäufer ist nicht immer ein so einfaches Wesen. Neu Designs können ihn abschrecken und stellen daher ein gewisses Risiko für die Hersteller dar. Andere zieht der Rückgriff auf bewährte Designs oft den Vorwurf der Ideenlosigkeit nach sich (das gilt natürlich nicht für Rolex, für die ohnehin ganz andere Regeln gelten).
Was also tun? Eine gängige Strategie besteht darin, ältere Modelle zu überarbeiten – solche, die schon so lange zurückliegen, dass sie nicht mehr auf dem Radar der Uhrenliebhaber sind. Man muss kein Neu entwickeln, was höhere Kosten verursachen und die Fans der Marke abschrecken könnte. Gleichzeitig knüpft man nicht direkt an Vorgängermodelle an und vermeidet so den Vorwurf, es handele sich um ein uninspiriertes und weitgehend unverändertes Recycling. Zudem ist der Trend zu Vintage-inspirierten Uhren nach wie vor ungebrochen.
Doch bestimmte Dinge lassen sich mit diesem Ansatz nicht erreichen: ein Neu , eine Ikone oder gar eine Weiterentwicklung der Uhrenindustrie als Ganzes. Mit der Big Bang hat Hublot bewiesen, dass gewagte Neu sich lohnen können. Und man sollte nicht vergessen, dass einige der heute beliebtesten Modelle bei ihrer Einführung radikale Neu darstellten und alles andere als eine sichere Sache waren. Dies lässt sich am besten anhand der Royal Oak von Audemars Piguet, die anfangs echte Schwierigkeiten hatte. Aber ein chronograph eng am Prototypchronograph , wie es bei der TAG Heuer Carrera 160 Years Silber Limitierte Auflage der Fall ist, wird wohl kaum die nächste Royal Oak. Natürlich würde ein 160-jähriges Jubiläum ein Haus dazu verleiten, auf seine Geschichte zurückzublicken, in den Archiven zu stöbern und eine Neu seines eigenen Klassikers zu kreieren. Aber warum nicht stattdessen in die Andere blicken? Ganz nach dem Motto „für die nächsten 160 Jahre“ kann auch ein Blick in die Zukunft der richtige Ansatz sein. Diese ursprünglichen Zeitmesser, die nun als Vorbilder dienen, waren genau das: in Technologie und Design Uhren ihrer Zeit, die natürlich ihre Zeit, wenn nicht sogar die Zukunft, im Blick hatten. Im besten Fall verkörperten sie innovative Ideen, die vielleicht manchmal scheiterten, aber immer das Potenzial hatten, einen Neu , ja sogar einen Neu in Design und/oder Technologie zu schaffen.
Die nächsten Jubiläen der Uhrenbranche stehen schon bald bevor. Es bleibt zu hoffen, dass diese Anlässe eher dazu genutzt werden, nach vorne zu blicken als zurück. Das wäre Gut die Vielfalt und die weitere Entwicklung der Uhrenwelt insgesamt. Andernfalls könnte „nice“ irgendwann tatsächlich nur noch die kleine Schwester von „sh*t“ sein.


