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Artikel: Rolex Milgauss: Warum die Kollektion ihr Potenzial nicht ausschöpft

Rolex Milgauss

Rolex Milgauss: Warum die Kollektion ihr Potenzial nicht ausschöpft

Tausend Gauss – auf Französisch „mille gauss“ – ist die Magnetfeldresistenz der Rolex Milgauss. Die Uhr wurde 1956 für Ingenieure und Wissenschaftler entworfen – also noch vor Modellen wie der Rolex Daytona der Sea-Dweller – und galt damals als Antwort auf die immer stärkeren Magnetfelder in unserer sich ständig weiterentwickelnden Welt.

Trotz ihrer mehr als 60-jährigen Geschichte zählt die aktuelle Kollektion heutzutage jedoch nicht gerade zu den heißbegehrten Rolex-Must-haves, obwohl sie theoretisch alles mitbringt, was man sich wünschen kann. Woran liegt das?

Ein kurzer historischer Überblick

Wenn ein Techniker in den 1950er Jahren eine Uhr bei der Arbeit trug, musste er äußerst vorsichtig sein, da Magnetfelder von mehr als 50 Gauss eine mechanische Uhr bereits für immer unbrauchbar machen konnten. Sobald die Hemmung oder der Schwingkörper magnetisiert sind, sind starke Gangabweichungen fast unvermeidlich, und sogar ein vollständiger Stillstand ist möglich.

Rolex nutzte dies als Gelegenheit, eine besonders widerstandsfähige Uhr zu entwickeln, die in dieser sich rasch wandelnden Welt problemlos bestehen konnte. Diese Entscheidung ist auch absolut nachvollziehbar, denn nur drei Jahre zuvor hatte die Marke die Rolex Submariner die Rolex Explorer vorgestellt, zwei Uhren, die ihr Genre verkörpern: die Submariner Taucher und die Explorer für Abenteurer und Entdecker. Nur ein Jahr später, im Jahr 1954, folgte die erste Rolex GMT, die bis heute die Inbegriff-Uhr für Reisende ist. Die Entscheidung, eine eigene Uhr speziell für Wissenschaftler zu entwerfen, lag also auf der Hand.

Rolex Milgauss, Ref. 6541.

Obwohl die ersten Milgauss-Prototypen bereits 1954 unter der Referenznummer 6543 auf den Markt kamen, wurde die erste offizielle Milgauss erst 1956 unter der Referenznummer 6541 vorgestellt. Gegen Ende der 1950er Jahre bestätigte das CERN, eines der weltweit renommiertesten Zentren für Grundlagenforschung in der Physik, dass Magnetfelder von 1000 Gauss für die neu vorgestellte Milgauss tatsächlich kein Problem darstellten. Das Geheimnis war ein selbstentwickelter „Schutzschild“ im Inneren des Gehäuses, der aus ferromagnetischen Legierungen bestand und somit das Kaliber sicher beherbergen konnte.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Kollektion für Rolex-Verhältnisse vergleichsweise wenig verändert. Im Jahr 1960, nur vier Jahre nach ihrer ursprünglichen Einführung, wurde die Referenz 1019 auf den Markt gebracht und anschließend 28 Jahre lang angeboten. Schließlich wurde die gesamte Kollektion 1988 aufgrund schleppender Verkaufszahlen eingestellt. Während Submariner, Daytona Co. langsam aber sicher auf ihre heutigen Höhen zusteuerten, war es für die Milgauss an der Zeit, sich nach etwas mehr als drei Jahrzehnten (vorerst) zu verabschieden.

Tatsächlich eine Milgauss: die Ref. 1019 © Bob’s Watches

Wiederaufleben im Jahr 2007

Anlässlich der Baselworld wurde 2007 eine spektakuläre Neu mit der Ref. 116400 vorgestellt, die erstmals ein heute typisches Milgauss-Element aufwies: das fast leuchtende Grün . Interessante Tatsache: Rolex hält die Entwicklung dieses Glases für so kostspielig und zeitaufwendig, dass keine Andere es wagen würde, diese Odyssee freiwillig auf sich zu nehmen. Die Marke entschied sich daher, die Technologie gar nicht erst patentieren zu lassen.

Der Austernstahl, der seit 1985 von Rolex verwendet wird, war auch Bestandteil der Neu – eine Legierung, die bei der Referenz 1019 nicht mehr zum Einsatz kam.

Neu auch der leicht vergrößerte Gehäusedurchmesser von 40 mm (statt 38 mm) sowie die Rückkehr des charakteristischen Blitz-Sekundenzeigers, der bereits bei der ursprünglichen Milgauss von 1956 zum Einsatz kam. Eine weitere Neuerung unter der Haube war das Automatik 3131, das bis heute verwendet wird. Das Uhrwerk aufgrund seiner Magnetfeldresistenz dank der Parachrom-Spirale .

Anlässlich der Baselworld 2014 stellte Rolex die Milgauss „Z Blue“ vor, deren elektrisch-blaues Zifferblatt besonders gut mit dem Grün harmoniert. Dieses Modell ist die neueste Ergänzung der Milgauss-Kollektion.

Häufige Kritikpunkte

Genug der Geschichtsstunde – kommen wir nun zu der eingangs gestellten Frage: Warum wird die Milgauss heute nicht so geschätzt wie vergleichbare Rolex-Modelle aus Edelstahl wie die Datejust die Oyster Perpetual?

Zu diesem Zweck haben wir die fünf offenbar häufigsten „Mängel“ oder Kritikpunkte zusammengestellt:

5. Verwendungszweck

Die Milgauss liegt irgendwo zwischen der Air-King, Datejust der Explorer, aber wir können sie nicht so recht einordnen. Die polierten Mittelglieder des Armbands (wie sie beispielsweise von der Datejust bekannt sind) suggerieren einerseits einen gewissen Chic, der jedoch durch den eigenwilligen Sekundenzeiger und das relativ farbenfrohe Design schnell wieder aufgehoben wird. Wenn Sie also auf der Suche nach einer eleganten Alltagsuhr sind, könnten die Datejust die Oyster Perpetual die richtige Wahl für Sie sein. Wenn Sie hingegen eine robuste Arbeitsuhr suchen, ist die Explorer dafür prädestiniert.

4. Gebraucht

Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn: den auffälligen orange in Form eines Blitzes. Er ist natürlich fest in der Milgauss-Kollektion verankert, da bereits die ursprüngliche Referenz 6541 damit ausgestattet war. Angesichts seiner begrenzten Vielseitigkeit muss man jedoch zu 100 % davon überzeugt sein, bevor man sich eine Rolex mit Blitzzeiger zulegt.

3. Leistung

Zum Zeitpunkt der Einführung der Milgauss-Kollektion galt eine Widerstandsfähigkeit von 1000 Gauss als Stand der Technik. Das ist jedoch über 60 Jahre her, und viele Hersteller haben diese Marke inzwischen übertroffen. Eine vergleichbare Uhr wäre beispielsweise die METAS-zertifizierte Omega Aqua Terra (Ref. 220.10.38.20.03.001) mit einem UVP von 5.700 €. Dank ihres Chronometer 8800 ist diese Uhr unempfindlich gegenüber Magnetfeldern von bis zu 15.000 Gauss und übertrifft damit die Antimagnetisch der Milgauss bei weitem (und das zu einem deutlich niedrigeren Preis).

2. Gehäusehöhe

Der weiche Eisenkäfig im Inneren hat natürlich seinen Preis. Zusammen mit dem Grün erreicht die Uhr eine Höhe von knapp 13,5 mm, was dazu führen kann, dass sie sich etwas kopflastig anfühlt. Auch wenn viele Besitzer das Gewicht am Handgelenk schätzen, ist die Automatik für eine Dreizeigeruhr relativ hoch gebaut. Datejust meisten Datejust liegen dagegen bei etwa 12 mm, ebenso wie die Air-King und die Explorer.

1. Preis

Nicht zuletzt ist es der Preis, der zweifellos für Aufsehen sorgt. Bei einem UVP von derzeit 7.950 € erhält man eine Dreizeigeruhr, die technisch auf Augenhöhe mit einer Rolex Explorer (6.200 €) oder einer Rolex Air-King (6.150 €) steht. Insbesondere der Vergleich mit der Air-King ist interessant, da die beiden Uhren bis auf das Zifferblatt und das Armband fast identisch aufgebaut sind. In beiden Fällen tickt das Kaliber 3131 – einmal in einer 7.950-Euro-Uhr und einmal in einer 6.150-Euro-Uhr.

Fazit

Die Rolex Milgauss ist insofern eine interessante Uhr, als sie in eine Nische fällt. Einerseits ist sie ein schönes Beispiel dafür, dass Rolex gelegentlich etwas lockerer wird und einen unkonventionelleren Ansatz verfolgt.

Andere könnte die Uhr für die meisten Rolex-Neulinge jedoch ein wenig zu verspielt und zu schwer einzuordnen sein, um sie als ihre erste Uhr zu wählen. Daher erscheint uns die Milgauss eher als eine Rolex für Liebhaber und weniger als eine Rolex für diejenigen, die auf der Suche nach ihrer ersten Rolex sind.

Letztendlich ist die Milgauss unserer Meinung nach die perfekte Uhr für alle, die bereits eine Rolex besitzen und nun nach einer lässigeren Alternative suchen, bei der das Preis-Leistungs-Verhältnis eher zweitrangig ist.

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