
5 Dinge, die uns an der Uhrenbranche nerven
Bevor wir loslegen, wollen wir zunächst eines klarstellen: Selbstverständlich sind wir große Fans der Uhrenbranche und all ihrer Akteure. Es sind die Menschen, mit denen wir tagtäglich zusammenarbeiten, die unsere Leidenschaft für die Uhrmacherkunst teilen und die Arbeit in dieser Branche zu einem wahren Vergnügen machen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir automatisch alles gutheißen, was dort vor sich geht. Im Laufe der Jahre haben sich eine Reihe gängiger Praktiken und Gewohnheiten herausgebildet, die bei uns regelmäßig einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlassen.
Ohne Umschweife und ohne Namen zu nennen – was in vielen Fällen ohnehin nicht nötig ist –, kommen wir gleich zur Sache. Hier sind fünf Dinge, die uns an der Uhrenbranche nerven:
5. Die Farce der limitierten Auflagen
Einige Uhrenmarken sind dafür bekannt, mehrere limitierte Auflagen pro Jahr auf den Markt zu bringen. Damit versuchen sie, ein Gefühl der Exklusivität zu erzeugen, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. In unserem Artikel (neuer Tab) „https://www.montredo.com/a-rarity-an-investment-and-where-is-the-style-watches-as-limited-editions/“ target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Rarität, eine Investition – und wo bleibt der Stil? – Uhren als limitierte Auflagen%20data-glossary-id="> beleuchten wir dieses Phänomen genauer.
4. Die Kickstarter-Revolution
„Wir revolutionieren die Uhrenbranche, indem wir den Zwischenhändler umgehen und die Uhr direkt an Sie verkaufen – zu einem Bruchteil des Preises vergleichbarer Uhren“, so lautet der Slogan, den sicherlich jeder schon einmal gelesen hat.
Bedeutet das, dass wir keine Fans von Kickstarter-Mikromarken sind? Absolut nicht, ganz im Gegenteil. Was auf Dauer jedoch ermüdend ist, sind die ständig wiederkehrenden Formulierungen, warum die eigene Uhr bei der gebotenen Qualität so erschwinglich sein kann (und dabei gleichzeitig eine jahrhundertealte Tradition auf den Kopf stellt).
3. „In-house“-Täuschung
Der Ausdruck „hauseigenes Kaliber“ ist äußerst vage, da niemand genau weiß, wie viele Komponenten der Uhr tatsächlich aus eigener Fertigung stammen müssen. Da der Begriff – anders als beispielsweise „Swiss Made“ – nicht offiziell definiert ist, legen Uhrenmarken ihn oft nach ihren eigenen Kriterien und zu ihrem Vorteil aus. Anstatt das Kind beim Namen zu nennen, versucht ein ausgefallener Neu Kalibername den Eindruck zu erwecken, dass ein hochwertiges, selbst entwickeltes Uhrwerk zum Einsatz kommt. Es bedarf jedoch nur ein wenig Recherche (oder eines Gut Auges), um herauszufinden, dass in den meisten Fällen lediglich ein leicht modifiziertes Standardkaliber (wie ETA 2824, Sellita SW200, Miyota 9015 usw.) zum Einsatz kommt. Eine gebläute Schraube hier und ein maßgefertigter Rotor dort – et voilà, fertig ist das hauseigene Kaliber.

Warum ein hauseigenes Kaliber für die meisten Uhrenmarken nicht realisierbar ist, zeigt NOMOS Glashütte eindrucksvoll. Allein die Entwicklung des „NOMOS Swing-Systems“, also der markeneigenen Hemmung, erforderte sieben Jahre Forschung und Entwicklung sowie die Unterstützung der Technischen Universität Dresden. Dieser zusätzliche Aufwand kam NOMOS auch nicht billig zu stehen, denn er kostete das Unternehmen rund 15 Millionen Euro. Ein zusätzlicher Aufwand, den sich nur die allerwenigsten Uhrenmarken mit sogenannten hauseigenen Kalibern leisten können (oder wollen).
2. Mangel an Kollektionsideen
Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – und für jedes Terrain eine eigene Kollektion. Auch wenn diese Unterteilung zugegebenermaßen durchaus Sinn ergibt, sind die Leitmotive immer dieselben, was wiederum zu unzähligen, fast gleich klingenden Kollektionen führt. Man nehme einfach das jeweilige Element in Kombination mit einem abenteuerlichen Wort, und schon hat man den Namen für die Neu Kollektion. Wie wäre es mit „Sea Quest“, „Mountain Conqueror“ oder „Aero Flash“?
1. Überteuerte Komponenten
Korrosionsbeständiger Edelstahl 316L in chirurgischer Qualität in Kombination mit einem Saphirglas, dessen Härte nur von Diamanten übertroffen wird. Dazu ein zuverlässiges Schweizer „Arbeitstier“-Kaliber und ein hochwertiges, gegerbtes Armband mit unvergleichlichem Tragekomfort. Wer hat gesagt, dass die Herstellung einer Luxusuhr schwierig wäre?
Wenn es nur so einfach wäre. Während Uhrenmarken bei Kollektionen oft die Ideen ausgehen, werden sie umso kreativer, wenn es darum geht, die trivialsten Komponenten zu beschreiben. In blumiger Sprache werden Uhrenkomponenten angepriesen, deren Anschaffungskosten nur wenige Cent betragen und die bereits in mechanischen Uhren aus Fernost im mittleren, zweistelligen Preissegment zu finden sind.
Fallen Ihnen auch Beispiele aus der Uhrenbranche ein, bei denen Sie die Nase rümpfen müssen? Teilen Sie uns diese gerne in den Kommentaren mit.



