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Artikel: Das Geschäft mit individuellen und einzigartigen Uhren: Bamford, Blaken & Co

The Business With Individualized and Unique Watches: Bamford, Blaken & Co

Das Geschäft mit individuellen und einzigartigen Uhren: Bamford, Blaken & Co

An der Spitze von Maslows Bedürfnishierarchie steht die Selbstverwirklichung, dicht gefolgt von individuellen Bedürfnissen wie Wertschätzung und Zugehörigkeit. Natürlich ist der Kauf einer Rolex für viele Menschen auch eine Möglichkeit, ihren eigenen Erfolg zur Schau zu stellen, und diese Konnotation lässt sich nur schwer vermeiden. Aber wie sieht es mit der Selbstverwirklichung aus?


Blaken: Schwarz Uhren aus dem Sauerland

Zumindest war das die Frage, die sich Hendrik Jürgens und Sören Spreng stellten, als sie 2011 die Blaken GmbH gründeten. Das Unternehmen mit Sitz im Sauerland hat sich auf die Veredelung und Individualisierung von Luxusuhren spezialisiert. Vor allem Rolex-Klassiker wie Daytona, Submariner und Co. werden gerne von anspruchsvollen Kunden vorbeigebracht, aber auch Marken wie Omega oder Patek Philippe sind für die „Uhrentuner“ aus Menden kein Problem.

Blaken Rolex
Links 18.400 €, rechts 12.900 €. © Blaken

In einer Gesellschaft, die zunehmend nach Individualität strebt, liegen maßgeschneiderte Uhren derzeit voll im Trend. Vor allem Verfahren wie die DLC-Beschichtung (Diamond-like-Carbon), bei der die Uhr in einem aufwendigen Prozess mit einer 2 Mikrometer dicken Kohlenstoffschicht überzogen wird, gilt als die Königsdisziplin des Unternehmens.
Zudem sind der Kreativität der Kunden praktisch keine Grenzen gesetzt: Vom gefärbten Sekundenzeiger über Embleme auf dem Zifferblatt bis hin zur Edelsteinbesetzung – nichts ist zu ausgefallen, um umgesetzt zu werden.

Glaubt man Blaken, besitzt der durchschnittliche Kunde bereits sieben Uhren. Bevor also die potenzielle achte Uhr als „08/15-Rolex“ am Handgelenk landet, ist es ratsam, sich bei Blaken darüber zu informieren, was in Sachen Individualisierung tatsächlich möglich ist. Heute steht das Unternehmen unter der Leitung von Alexander Klingbeil, der bereits für Branchenriesen wie Richard Mille und Greubel Forsey tätig war und daher die Welt der Luxusuhren wie seine Westentasche kennt.

Tim Raue mit seiner Blaken Explorer © BL Verlag AG


Der Preis beginnt bei rund 4.000 Euro, und nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Bei prominenten Kunden wie der Familie Porsche, dem Michelin-Sternekoch Tim Raue oder Fußballern wie Sergio Ramos oder Franck Ribéry spielt dies jedoch ohnehin kaum eine Rolle.


Pionier aus England: Bamford Watch Department

Vielleicht noch bekannter als Blaken (was übrigens das niederdeutsche Wort für „Rauch“ oder „Ruß“ ist) ist das Bamford Watch Department,
kurz Bamford. Hinter diesem Unternehmen steht George Bamford,
dessen Gründungsgeschichte fast zu Gut ist, um wahr zu sein.


Die Kurzfassung: Bamford erhält zu seinem 18. Geburtstag eine Rolex Daytona, stellt jedoch schnell fest, dass er damit keineswegs allein ist.
Nach einigen Experimenten gelingt es ihm, die Uhr mit einer Schwarz DLC-Beschichtung zu versehen, was während seines Urlaubs in Südfrankreich für großes Aufsehen sorgt. Bamford kehrt mit 25 Vorbestellungen in seine Heimat zurück. Et voilà, der Rest ist Geschichte.

Doch nicht alles war immer so rosig, wie es zunächst klingen mag. Als „Antichrist“ der Uhrenbranche war George Bamford vielen zunächst ein Dorn im Auge, doch Uhren-Koryphäe montredo.com/baselworld-2019-interview-with-jean-claude-biver/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jean-Claude Biver, ehemaliger Leiter der Uhrensparte von LVMH, erkannte das Potenzial. Infolgedessen wurde Bamford 2017 zum offiziellen „Customizer“ von Bulgari, TAG Heuer und Zenith ernannt. Die lang ersehnte Anerkennung war endlich in greifbarer Nähe.


Artisans De Genève: eine Submariner für Pirlo

Neben Deutschland und England hat auch die Schweiz mit Artisans De Genève einen namhaften Uhrenmodifikator zu bieten, der die Dinge auf ein ganz Andere Niveau hebt. Während Blaken und Bamford sich auf rein ästhetische Veränderungen konzentrieren, modifiziert Letzterer auch die eigentliche Mechanik der Uhr.

Eine skelettierte Submariner aus Genf © Artisans De Genève

Ein perfektes Beispiel hierfür ist die Rolex Daytona, die zu Ehren von Andrea Pirlo entworfen wurde. Im Rahmen des „Andrea Pirlo-Projekts“ wurde sie nicht nur Skelettiert, sondern auch mit einem Neu Rotor, einer Lünette aus Carbonfaser und Zeigern Rot Rotgold ausgestattet.


Eine Rolex mit Tourbillon?


Noch verrückter wird es bei den Uhrmachern von „Les Gardiens du Temps“, die hinter der Marke Label Noir stehen. Ihnen ist es tatsächlich gelungen, ein voll funktionsfähiges Tourbillon in das Kaliber 3131 der Rolex Milgauss zu integrieren. Was für viele (Rolex-)Uhrenfans gleichbedeutend mit Blasphemie ist, ist für andere eine Quelle der Freude.

Die erste Rolex Tourbillon überhaupt.
UVP: 125.000 CHF. © Label Noir


Einzigartige Uhren (noch) mit einem Schattendasein

Auch wenn Unternehmen wie Bamford und Blaken echte Erfolgsgeschichten sind, kann keineswegs behauptet werden, dass DLC-Uhren mit individuellen Gravuren, Logos, Designs usw. wirklich im Uhren-Mainstream angekommen sind. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig:

  • Preis:
    Das ganze Unterfangen ist sicherlich nicht billig. Ein Beispiel der Blaken-Submariner zeigt, dass man zusätzlich zur UVP von 7.350 € noch mehr als 100 % der Gesamtkosten erneut investieren müsste, um das Schwarz Facelift sein Eigen nennen zu können. Die meisten Menschen würden es einfach vorziehen, direkt eine komplett Neu Uhr zu kaufen.
  • Notwendigkeit:
    Für die meisten potenziellen Kunden sind die Uhren bereits perfekt, wenn sie ab Werk geliefert werden. Warum also eine perfekte Uhr optisch oder technisch noch einmal verändern?
  • Anerkennung & Status:
    Auch wenn viele es nicht gerne zugeben, spielt der Prestige-Aspekt einer derartigen teuren Uhr immer eine gewisse Rolle. Das mag weniger zutreffen, wenn man bereits sieben Uhren in seiner Sammlung besitzt, aber beim ersten großen Kauf einer Luxusuhr muss es für den Durchschnittsbürger verständlicherweise das „echte Original“ sein.