
Der ultimative Leitfaden für Uhren-Einsteiger
UHREN 101
Man muss nicht um den heißen Brei herumreden: Der Einstieg in die Welt der Uhren kann anfangs überwältigend sein. Welche verschiedenen Mechanismen, Funktionen und Uhrenmodelle gibt es? Wie sieht es mit den bekanntesten Marken aus – wofür stehen sie und wie hoch ist ihr Preis? Wenn Sie noch gar nichts über Uhren wissen und sich solche Fragen schon einmal gestellt haben, ist dieser kurze Leitfaden genau das Richtige für Sie. Er soll Ihnen helfen, sich in kürzester Zeit mit einigen der wichtigsten Begriffe vertraut zu machen.
Quarz vs. Mechanik
Im Allgemeinen kann man zwischen mechanischen Uhren (Handaufzug und Automatik) und batteriebetriebenen, sogenannten Quarzuhren unterscheiden. Während Quarzuhren äußerst präzise, praktisch und relativ preiswert sind, könnten mechanische Uhren die erste Wahl für Puristen sein: Auch wenn ihre Gangabweichung größer sein mag, kommt keine Batterie zum Einsatz. Stattdessen funktioniert alles mechanisch, entweder durch Aufziehen von Hand (Handaufzug) oder durch die Bewegung des Arms beim täglichen Tragen (Automatik). Bei den meisten Uhren ist entweder Automatik oder Quarz angegeben, während viele Uhren, deren Zifferblatt weder Automatik noch Quarz anzeigt, Handaufzugsuhren sind. Dennoch sind nicht alle Automatik oder Quarzuhren als solche gekennzeichnet, wie das Bild zeigt, auf dem eine Automatikuhr von Omega und eine von Longines zu sehen sind – wobei nur die Longines als Automatik gekennzeichnet ist. Man kann eine mechanische Uhr auch anhand der Bewegung des Sekundenzeigers von einer Quarzuhr unterscheiden. Bewegt er sich gleichmäßig vorwärts, handelt es sich um eine mechanische Uhr. Der Sekundenzeiger einer Quarzuhr „springt“ hingegen von einer Sekunde zur nächsten.

Was die vertikale Reichweite betrifft, lassen sich Hersteller im Allgemeinen in sogenannte Manufakturen unterteilen, die (zumindest teilweise) ihre eigenen Uhrwerke entwickeln und produzieren, sowie in Marken, die ausschließlich Kaliber verwenden, die von Uhrwerkherstellern (meist von ETA) bezogen werden. Auch wenn diese Unterscheidung die Realität zu stark vereinfacht (z. B. gibt es Marken, die keine eigenen Uhrwerke herstellen, diese aber modifizieren oder mit komplizierten mechanischen Modulen aus eigener Fertigung ergänzen), vermittelt der Begriff „Manufaktur“ einen Eindruck vom Know-how und der Handwerkskunst einer Marke. Rolex, Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe, Nomos Glashütte und etwa ein Dutzend Andere Marken sind stolz darauf, ihre Uhrwerke ausschließlich im eigenen Haus herzustellen.

Funktionen neben der Zeitmessung: Wann Komplikationen wünschenswert sind
Komplikationen sind zusätzliche mechanische Funktionen neben der eigentlichen Zeitmessung. Die wohl bekannteste Komplikation ist die Chronographenfunktion. Ein Chronograph ist eine Stoppuhr, in der Regel mit zwei oder drei Hilfszifferblättern oder Zählern, die die gestoppte Zeit anzeigen (mit Ausnahme der gestoppten Sekunde, die normalerweise durch den großen zentralen Sekundenzeiger angezeigt wird). Die Stoppuhrfunktion wird über zwei Drücker gestartet und gestoppt, die sich bei 2 und 4 Uhr befinden.

Chronograph wird häufig mit Chronometer verwechselt (letzterer bezeichnet besonders genaue Uhren, die vom offiziellen Schweizer Chronometer-Institut (COSC) zertifiziert sind).
Eine weitere häufig verwendete Komplikation ist die Datumsanzeige. Die meisten Uhren Datum Datum zählen unabhängig vom Monat immer bis 31, sodass man das Datum bei jedem Monat mit weniger als 31 Tagen neu einstellen muss. Andere Uhren zeigen zudem den Wochentag und den aktuellen Monat an. Wenn sie beides tun, werden sie als Vollkalender bezeichnet. Andere Uhren zeigen die aktuelle Mondphase auf dem Zifferblatt an. Viele Uhren, wie diese Jaeger-LeCoultre Reverso, kombinieren einen Vollkalender mit einer Mondphasenanzeige.

Das klingt schon recht komplex, vor allem wenn man bedenkt, dass all dies mechanisch funktioniert. Doch damit sind wir noch lange nicht bei den kompliziertesten Kalendern angelangt: Manche müssen nur einmal im Jahr (Jahreskalender) oder einmal alle vier Jahre (4-Jahres-Kalender) manuell neu eingestellt werden. Andere berücksichtigen sogar Schaltstage (ewige Kalender). Doch es gibt weit mehr als nur Chronographen und Kalender. Es gibt Uhren mit Schlagwerken wie Weckeruhren, Zeitmesser, die Melodien erklingen lassen und die Uhrzeit durch ein akustisches Signal anzeigen (Repetieruhren). Diese Vulcain 50s President’s Watch verfügt über ein Cricket-Kaliber, das älteste und eines der berühmtesten Weckerwerke.

Viele Uhren vereinen eine Reihe komplizierter Funktionen und werden üblicherweise als „Grand Complication“ bezeichnet. Das Tourbillon gilt als der heilige Gral der Uhrenkomplikationen. Im Grunde ist ein Tourbillon ein Käfig, der sich dreht, um durch die Schwerkraft verursachte Ungenauigkeiten auszugleichen. Die größte Herausforderung bei einem Tourbillon besteht darin, eine Konstruktion zu realisieren, die extrem leicht und dennoch robust ist. Andernfalls würde die empfindliche Mechanik nicht genügend Energie liefern, damit die Uhr über einen angemessenen Zeitraum (der in der Regel mit mindestens einem Tag angegeben wird) weiterläuft. Wie bei dieser Zenith El Primero wird ein Tourbillon meist durch Ausschnitte im Zifferblatt sichtbar gemacht, um seine Ästhetik in das Erscheinungsbild der Uhr zu integrieren (wobei nicht jeder Ausschnitt ein Tourbillon offenbart).
Pilotenuhr oder Taucheruhr? Jeder hat seinen eigenen Stil
Auch wenn wir uns selbst als Revolutionäre der Mechanik bezeichnen, glauben wir nicht, dass es bei Uhren nur um die technischen Aspekte geht. Ganz im Gegenteil. Bei Uhren geht es in erster Linie um subjektiven Stil und nicht nur um objektive Maße. Fragen wie: Wie sieht eine Uhr am Handgelenk aus und wie fühlt sie sich an? Oder: Inwiefern verkörpert eine Uhr den Stil und die Persönlichkeit ihres Trägers? – sind entscheidend und bestimmen, ob uns eine Uhr gefällt oder nicht. Es gibt sportlichere Zeitmesser wie Taucher- oder Pilotenuhren und elegantere Modelle, die gemeinhin auch als Dresswatches bezeichnet werden. Letztere wirken meist filigraner und sind in der Regel deutlich kleiner. Ihre Gehäuse bestehen oft aus massivem oder vergoldetem Metall und sie werden meist an einem schmalen Lederarmband getragen, wie das unten gezeigte Beispiel, eine Omega De Ville mit Co-Axial-Hemmung.

Im Bereich der eleganter wirkenden Uhren finden insbesondere Bauhaus-Designs in letzter Zeit große Beachtung. Deutsche Marken wie Nomos Glashütte, Stowa oder die Max-Bill-Linie von Junghans stehen für eine puristische und minimalistische Ästhetik, die sich auf das Wesentliche konzentriert, anstatt sich in Details zu verlieren, die aus puristischer Sicht als überflüssig angesehen werden könnten.
Sportuhren sind meist größer, auffälliger und wirken robuster. Sie verfügen oft über eine Chronographenfunktion, drehbare Lünetten und eine oder mehrere Skalen am Rand des Zifferblatts oder auf der Lünette. Beispiele für sportlichere Uhren sind Taucheruhren, GMT-Uhren und Uhren, die sich am Thema Rennsport orientieren.
Taucheruhren verfügen über Lumineszenz und Indizes, und ihre Zifferblätter sind in der Regel dunkler, um unter Wasser eine gute Ablesbarkeit zu gewährleisten. Außerdem haben sie einseitig drehbare Lünetten, die zum Stoppen der Zeit unter Wasser dienen. Es versteht sich von selbst, dass das wichtigste Kriterium für eine Taucheruhr eine ausreichende Wasserdichtigkeit ist. Die meisten Taucheruhren beginnen bei einer Wasserdichtigkeit von 150 oder 200 Metern. Wie in unserem Beitrag „Wie man Wasserdichtigkeit richtig interpretiert“ bereits erwähnt, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass man sie in Tiefen von 150 oder 200 Metern einsetzen sollte, da sich die Angabe stets auf die Wasserdichtigkeit unter Laborbedingungen bezieht.

Ähnlich wie die GMT-Uhr ist der Chronograph eine Komplikation, stellt aber zugleich ein ganzes Uhrengenre dar. Nicht nur das: Manchmal sind Chronographen mit dem Rennsport verbunden und bilden so ein eigenes Subgenre. Beispiele hierfür sind TAG-Heuer-Modelle wie die Carrera, die Monaco oder die Silverstone, die Rolex Daytona sowie die Omega Speedmaster Racing. Die TAG Heuer Monaco ist ein ikonischer Chronograph der dem Thema Rennsport gewidmet ist, und zugleich ein perfektes Beispiel für eine moderne Uhr mit deutlich erkennbaren Bezügen zur Tradition.

GMT-Uhren verfügen über einen zweiten Stundenzeiger, der eine zweite Zeitzone anzeigen kann. Eine Umdrehung dauert 24 statt 12 Stunden, weshalb er oft auch als 24-Stunden-Zeiger bezeichnet wird. Viele GMT-Uhren verfügen zudem über eine bidirektionale 24-Stunden-Lünette (manchmal mit zwei Farben, die Tag und Nacht darstellen), die für eine dritte Zeitzone genutzt werden kann.
Natürlich gibt es keine klare Unterscheidung zwischen eleganten und sportlichen Uhren. Insbesondere Marken wie Rolex (Datejust), Omega (Seamaster Aqua Terra) und TAG Heuer (Carrera Cal. 5) definieren sportlich-elegante Uhren neu, die sich hervorragend als Allrounder eignen und besonders interessant sein können, wenn Sie auf der Suche nach einer Uhr sind, die sich perfekt für eine Vielzahl von Anlässen eignet.

Eine Welt voller Marken
Wie du vielleicht bereits bemerkt hast, gibt es weit mehr als nur Rolex und Omega. Tatsächlich dreht sich bei Uhren alles um Marken und ihre ikonischsten Modelle. Die meisten Marken bemühen sich sehr darum, ihr Erbe in die Zukunft zu tragen. Das Epizentrum der hochwertigen Uhrmacherkunst ist, wie Sie vielleicht selbst schon erraten haben, die Schweiz. Es gibt jedoch auch eine große Auswahl an bewundernswerten Uhren aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und anderen. Wenn Sie mehr über die bekanntesten Marken und Modelle erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Beiträge über die Top 10 der deutschen Uhrenhersteller und die Top 10 der Schweizer Uhrenmarken sowie die Top 20 der beliebtesten Uhren der Welt.

