
Die ältesten Uhrenmarken der Welt (und die Faszination von Effizienz und Innovation)
Frage: „Alter ist kein Garant für Effizienz.“
James Bond: „Und Jugend ist kein Garant für Innovation.“
Einige von Ihnen kennen vielleicht das Zitat aus dem James-Bond-Film Skyfall. Die Szene spielt in der Londoner National Gallery und zeigt 007, wie er das berühmte Gemälde „The Fighting Temeraire“ von William Turner betrachtet. Dabei lernt er seinen Neu Quartiermeister kennen.
Auch in der Uhrenindustrie ist Innovation ein Thema. Während viele historische Häuser mächtig stolz auf ihre lange Geschichte sind, scheint es immer mehr so, als seien es die jungen Querdenker, die mit neuen Technologien, Materialien oder einfach Strategien aufwarten und so die Branche wirklich voranbringen. Aber stimmt das wirklich – und ruhen sich die großen Platzhirsche vielleicht nur auf ihren Lorbeeren aus?
Das ist die Frage, der wir im folgenden Artikel kurz nachgehen wollen. Wir werfen daher einen Blick auf die ältesten Uhrenmarken der Welt, um zu untersuchen, inwieweit sie in Sachen Innovationskraft und Erfindungsreichtum noch mithalten können.
Nummer 4: Breguet – Paris (1775)
Breguet wurde bereits 1775 in Paris gegründet, obwohl die Marke heute in der Schweiz beheimatet ist. Der Gründer und Namensgeber war kein Geringerer als Abraham-Louis Breguet, den man gewissermaßen als den „Gyro Gearloose der Uhrmacherkunst“ bezeichnen kann.

Man kann nur spekulieren, wie die Uhrenindustrie heute ohne die Erfindungen dieses außergewöhnlichen Talents aussehen würde – man denke nur an den Fallschirm-Stoßschutz, die Tourbillon oder die Breguet-Spirale. Die meisten davon haben jedoch bis heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt und gelten nach wie vor als Maß aller Dinge.
Nummer 3: Vacheron Constantin – Genf (1755)
Nur zwanzig Jahre zuvor eröffneten ein junger Uhrmacher namens Jean-Marc Vacheron und sein Lehrling in Genf eine Werkstatt, die den Grundstein für das legte, was wir heute als Vacheron Constantin kennen. Heute gehört die Manufaktur unter Kennern und Uhrenliebhabern zur sogenannten Heiligen Dreifaltigkeit (zusammen mit Patek Philippe und Audemars Piguet), was die herausragende Qualität und die feine Handwerkskunst der Marke bezeugt.

Vacheron Constantin gehört heute zur Richemont-Gruppe, zu der auch Marken wie IWC, A. Lange & Söhne und Cartier gehören. Neben der eleganten Patrimony-Serie gelten insbesondere die sportlicheren Overseas-Modelle (siehe Bild oben) als begehrte Objekte, die von Jahr zu Jahr schwerer zu erwerben sind.
Nummer 2: Favre-Leuba – Le Locle (1737)
Favre-Leuba ist zugegebenermaßen weit weniger bekannt als die beiden Schwergewichte Breguet und Vacheron Constantin. Doch die zweitälteste Uhrenmarke der Schweiz, die 1737 von einem Uhrmacherlehrling im Uhrenmekka Le Locle gegründet wurde, kann auf eine beeindruckend lange Geschichte zurückblicken. Die Marke erreichte ihre Blütezeit Anfang der 1960er Jahre, geriet jedoch kurz darauf in Schwierigkeiten und fiel schließlich der Quarz-Krise zum Opfer.

Der derzeitige Eigentümer ist das indische Unternehmen Titan (das wiederum zum milliardenschweren Tata-Konzern gehört), doch dieser scheint mit der Leistung alles andere als zufrieden zu sein: Im vergangenen Jahr drehte er den Geldhahn zu und wies die Schweizer Marke an, alle Aktivitäten vorerst einzustellen – zumindest solange Favre-Leuba im Rot ist.
Nummer 1: Blancpain – Villeret (1735)
Jehan-Jacques Blancpain gründete 1735 den Schweizer Uhrenhersteller Blancpain, der damit der älteste der Welt ist. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass es einen entscheidenden Unterschied zur Marke Vacheron Constantin gibt, die sich übrigens ebenfalls als „älteste Uhrenmanufaktur der Welt“ bezeichnet: Während VC mittlerweile auf über 265 Jahre ununterbrochener Produktion zurückblicken kann, war Blancpains Weg nicht immer so einfach.

Tatsächlich musste Blancpain im Zuge der Quarz-Krise für mehrere Jahre seine Türen schließen. Dann, im Jahr 1982, war es kein Geringerer als Jean-Claude Biver, der das Unternehmen für gerade einmal 22.000 Franken übernahm. Es gelang ihm, das verstaubte Image aufzupolieren und Blancpain wieder zu einem florierenden Luxusuhrenhersteller zu machen (bevor er die Marke zehn Jahre später für 60 Millionen Franken an die heutige Swatch Group verkaufte). Insbesondere die Fifty Fathom (Bathyscaphe)-Modelle sind heute Verkaufsschlager.
Doch wer sind heute die Innovatoren?
Das Konzept der „Innovation“ in der Uhrenindustrie lässt sich aus vielen Blickwinkeln betrachten: die fortschrittlichste Technologie, die zukunftsweisendste Vertriebsstrategie oder die ausgefeiltesten Marketingstrategien. Doch wer kann dieses Rennen gewinnen: die rücksichtslosen Newcomer oder die traditionellen Platzhirsche?
Nun, es ist nicht so einfach, eine allgemeine Antwort auf diese Frage zu geben, da sie natürlich höchst subjektiv ist. Während für viele die letzte echte Innovation in der Uhrenindustrie die Einführung der Spring-Drive-Technologie durch Grand Seiko im Jahr 2004 war, sind für andere die papierbasierten TimberTex-Uhrenarmbänder von IWC der neueste Game Changer. Wo soll man die Grenze ziehen?

In einem Punkt herrscht jedoch wahrscheinlich weitgehende Einigkeit: Die vier hier vorgestellten Marken gehören nicht zu den Top-Innovatoren. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Uhren auch nur im Entferntesten minderwertig wären, ganz im Gegenteil. Aber wenn es um echte Innovationen geht, müssen die vier hier genannten Marken letztendlich das Feld anderen überlassen. Instinktiv kommen uns Marken wie H. Moser & Cie, Hublot, Zenith, De Bethune, Richard Mille, Ulysse Nardin oder Piaget in den Sinn, um nur einige zu nennen.
Welche Marken gehören Ihrer Meinung nach dazu?
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