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Artikel: „Halte dich an klare, vernünftige Grenzen, aber vertraue deinem Bauchgefühl“

«Within Clear Rational Boundaries, Follow Your Gut»

„Halte dich an klare, vernünftige Grenzen, aber vertraue deinem Bauchgefühl“

INTERVIEW MIT EINEM UHRENBLOGGER

In seinem neuesten Buch warnt Bernhard Strohm alias Herr Strohm, bekannter Uhrenblogger und Autor, auf ironische Weise vor den Risiken von Sucht und Größenwahn und liefert praktische Informationen, die (angehenden) Uhrenliebhabern helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Herr Strohm: Um es ganz offen zu sagen: „Gier beherrscht den Verstand“. Die Suche nach und der Kauf einer lang ersehnten Uhr sind sehr emotionale Vorgänge, bei denen es oft an Rationalität mangelt. In solchen Fällen verhindert das Verlangen, dass man sich grundlegende Fragen stellt: Ist das Angebot realistisch? Ist der Anbieter seriös? Ist die Uhr wirklich so sammelwürdig, wie selbsternannte Experten behaupten? Auch wenn jeden Tag unüberlegte Entscheidungen getroffen werden – lassen Sie nicht zu, dass Sie einer davon sind.

MONTREDO: Sie selbst sammeln schon seit vielen Jahren. Ihre Leidenschaft für hochwertige Uhren begann mit dem Erbe einer solchen Uhr. Welche Veränderungen haben sich Ihrer Meinung nach für den Sammler in den letzten zwei Jahrzehnten ergeben?

Herr Strohm: Vor allem hat sich der Zugang zu entscheidenden Informationen, die für Kaufentscheidungen relevant sind, verändert. Während früher die Sammlermärkte, die Printmedien oder die „alten Hasen“ für (Des-)Informationen und (persönliche) Meinungen zuständig waren, ist heute das Internet die absolute Wissensquelle. Preisvergleiche, Kundenbewertungen, Video-Tutorials, Blogger und nicht zuletzt seriöse Online-Shops lassen die Herzen der Liebhaber höher schlagen. Doch auch heute noch ist es wichtig, klug vorzugehen und Informationen sowie Uhren genau einschätzen zu können.

MONTREDO: Sie gehen nicht sehr detailliert auf die mechanischen Aspekte einer Uhr ein und bieten kaum mehr als Anekdoten vom Flohmarkt. Wenn es nicht die technischen Komponenten sind – was fasziniert Sie dann?

Herr Strohm: Mit 30 Jahren Sammelerfahrung kann ich es mir leisten, Entscheidungen weitgehend aus dem Bauch heraus zu treffen. Allerdings beschränke ich mich auf ein klar definiertes Preissegment und halte mich an klare Qualitätsanforderungen. Obwohl ich als Uhrensammler und Blogger bereits mehr als 70 Marken besessen und damit Erfahrungen gesammelt habe, gibt es immer noch viele Marken, die mich interessieren. Innerhalb klarer Grenzen dem Bauchgefühl folgen. Das ist sozusagen mein Motto.

MONTREDO: Wann ist eine Uhr in Ihren Augen persönlich sammelwürdig?

Herr Strohm: Meine Mutter sagte immer: „Anziehungskraft definiert Schönheit.“ Die Uhr muss in MEINE Sammlung passen, ganz gleich aus welchen Gründen.

MONTREDO: …und wenn man versucht, einen objektiven Rahmen zu schaffen? Welche aktuellen Uhrenmodelle bekannter Marken halten Sie derzeit für besonders sammelwürdig?

Herr Strohm: Diese Frage zielt auf einen oft vernachlässigten Punkt ab – was den Wert einer Uhr ausmacht. Meiner Meinung nach sind Uhren besonders wertvoll, wenn sich das Modell über Jahre und sogar Jahrzehnte hinweg kaum verändert hat und nur geringfügig optisch und technisch modifiziert oder optimiert wurde. Natürlich spielt auch das Markenimage eine entscheidende Rolle. Eine Rolex Submariner und Daytona, eine Breitling Navitimer oder eine (Tag) Heuer Monaco sind nicht umsonst „Klassiker“ und werden unter Liebhabern als sichere Investition gehandelt. Sporadische oder drastische Änderungen an Uhrenmodellen, ausgelöst durch Modetrends, oder die Vernachlässigung traditioneller Werte und Käuferschichten haben Marken bereits an den Rand des Untergangs getrieben – oder sogar darüber hinaus.

MONTREDO: In Ihrem Buch gibt es eine Typologie der Uhrensammler, in der die Sammlergemeinschaft in Kategorien unterteilt wird. Gibt es ein Merkmal, das die Kategorien der Uhrensammler vereint und sie gleichzeitig von Sammlern Andere Objekte, beispielsweise von Briefmarken oder Oldtimern, unterscheidet?

Herr Strohm: Im Gegenteil, ich habe Erfahrungen (und eine Umfrage), die zeigen, dass sich in den Garagen vieler Uhrensammler wunderbare Oldtimer befinden. Gut Weine, die in Kellern gelagert werden, und Schuhe, die in begehbaren Kleiderschränken bis zur Decke gestapelt sind. Die Leidenschaft für etwas Schönes und Exklusives beschränkt sich oft nicht auf einen einzigen Sammelbereich.

MONTREDO: Als welche Art von Sammler würden Sie sich selbst beschreiben?

Herr Strohm: Ich bin der neugierige Typ. Ich sammle nicht, um zu besitzen. Mich fasziniert die unterschiedlichste Auswahl an Uhren aus den unterschiedlichsten Gründen. Meine Sammlung deckt die gesamte Bandbreite an Uhren ab. Nicht zuletzt, um in meinem Blog herrstrohmsuhrsachen.de darüber zu berichten.

MONTREDO: Die schwer fassbare, aber viel diskutierte „Final-“ oder „Holy-Grail“-Uhr gibt es in Ihren Augen also nicht, da es immer schon die nächste Traumuhr gibt, über die man träumen kann. Welche Uhr würden Sie denn als Ihre aktuelle „Holy-Grail“-Uhr bezeichnen?

Herr Strohm: Die letzte meiner Uhren ist noch in weiter Ferne. Dennoch würde ich wahrscheinlich mein Haus verpfänden für eine Omega Silber Snoopy oder eine Rolex Daytona Paul Newman. Aber dann wollte ich wieder eine (Tag) Heuer Monaco Vintage, eine Tudor Submariner Snowflake; die Liste lässt sich endlos fortsetzen …

Interview: Peter Bodenbenner