Uhren von Richard Mille: Innovative Hochleistungs-Sportuhren oder bloße Statussymbole für Millionäre?

By Montredo in Lifestyle
April 16, 2021
Uhren von Richard Mille: Innovative Hochleistungs-Sportuhren oder bloße Statussymbole für Millionäre?

Richard Mille ist eine Uhrenmarke wie keine andere, so viel ist klar. Vor Richard Mille – dem Gründer der Marke – hat es nämlich niemand vollbracht, derartig eigenwillige Kreationen zu einem fünf-, oft sechs- bis teilweise siebenstelligen Preis anzubieten und damit auch noch so einen durchschlagenden Erfolg zu haben. Selbst als “geheimer Handschlag der Milliardäre” werden die schrillen Uhren tituliert.

Durch eine geschickte Mischung aus Innovation und perfektem Ambassador Marketing hat die Marke dem Label „Highend-Luxusuhr“ ein neues Gesicht verliehen und sich binnen 20 Jahren zur kontroversen Uhrenmarke für Schwerreiche gemausert. Doch die extrovertierten Designs kommen nicht bei jedem gleich gut an, ja von Kaugummiautomaten-Uhren ist gelegentlich die Rede.

Wir werfen daher einen kurzen Blick auf die Richard Mille-DNA, um zu verstehen, was diese Uhren so teuer macht und ob sie ihren Preis wirklich wert sind.

Wer ist Richard Mille?

Der gebürtige Franzose studierte Marketing in Besançon und bekleidete anschließend einige gut bekleidete Positionen in der Uhrenindustrie, allen voran bei Seiko und einem führenden französischen Luxushaus namens Mauboussin. Dort hatte er die Leitung der Uhrenabteilung inne, was ihn in direkten Kontakt mit Firmen wie Renaud & Papi und anderen renommierten Schweizer Komponentenherstellern brachte.  

Richard Mille Portrait
Der Mann hinter der Marke: Richard Mille.

Im Alter von 50 Jahren entschloss sich Mille mit gut drei Jahrzehnten Erfahrung auf dem Buckel dazu, noch einmal als Unternehmer durchzustarten. Dazu gründete er im Jahr 1999 zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Dominique Guenat im Schweizerischen Les Breuleux, einem kleinen Ort im Jura-Gebirge, das gleichnamige Unternehmen Richard Mille.

Seiner Zeit voraus: Die 2000er-Jahre bringen den Aufschwung

Egal ob Marketing-Genialität, berechnetes Kalkül oder einfach nur Glück, doch bereits seine allererste Uhr im Jahr 2001 schlug ein wie eine Bombe und bescherte der Marke beinahe über Nacht Ruhm und Anerkennung. Wei Koh bezeichnete sie schlicht als “the watch that changed the world”.

Die Prämieren-Uhr RM 001 verfügte über ein Tourbillon sowie die erste Uhren-Drehmomentanzeige der Welt. Trotz eines exorbitant hohen Preises von 159.000€ und einer bis dato quasi nichtexistierenden Unternehmenshistorie waren die 17 Exemplare der RM 001 innerhalb eines Tages ausverkauft. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Richard Mille RM 001
Ein bis dato noch nie dagewesenes Design: die RM 001 bei ihrer Vorstellung im Jahr 2001.

Die für damalige Verhältnisse disruptive Formsprache heutiger Richard Mille-Uhren ist übrigens nicht etwas, was sich erst im Laufe der Jahre herauskristallisiert hat, ganz im Gegenteil.

Die heute unverwechselbare Gehäuseform, die zu einem Eckpfeiler der Marke wurde, war augenscheinlich bereits bei der RM 001-Einführung zu sehen. Allen voran ist das dominante Tonneau-Gehäuse, das aus drei Elementen besteht: der Lünette, dem Gehäuse und dem Gehäuseboden. Diese werden mithilfe von acht Torx-Titanschrauben zu einem Ganzen zusammengefügt.

Inspiration aus der Welt des (Renn-)Sports

Mille war bereits seit Jugendtagen ein absoluter Automobil-Narr. So sehr sogar, dass seine erste Liebe eigentlich dem Autorennsport galt und die Uhrmacherei eher als Liebe auf den zweiten Blick bezeichnet werden müsste. Nicht umsonst lautete das Unternehmensmotto in den Anfangstagen: A racing machine on the wrist. Ein Beispiel dafür kann bereits in seiner allerersten Uhr gefunden werden. Bei ihr hat Mille nämlich versucht, die Brücke des Tourbillon-Käfigs so anzuordnen, dass sie die vorderen Aufhängungsstangen eines Formel-1-Wagens sowohl optisch als auch funktionell nachbildet.

Milles Affinität zum Sport beschränkt sich dabei aber nicht nur auf das Design seiner Uhren, sondern auch auf deren Funktionsweise. Viele der fortschrittlichen Materialien, die für die Zeitmesser von Richard Mille verwendet werden, stammen aus der Welt des Automobils, der Luftfahrt, des Segelns und des Tennis – also eben jenen Sportarten, wo es auf jedes Gramm Gewichtsersparnis ankommt.

Richard Mille RM 27-04
Der Tennisschläger am Handgelenk: die RM 27-04 für Rafael Nadal.

Interessant ist hier das Modell RM 27-04, das im September letzten Jahres vorgestellt wurde. Für diese Uhr wurde ein spezieller Kabelaufhängungs-Mechanismus entwickelt, in dessen feinmaschiges Stahlseilgeflecht das Kaliber eingesetzt wurde. Was verrückt aussieht, hat den Vorteil, dass es Beschleunigungen von über 12.000 g standhalten kann. Inspirationsquelle dafür soll ein Tennisschläger gewesen sein soll. (Weitere Infos gibt es in unserem Artikel Richard Mille RM 27-04: Ein Tourbillon-Fliegengewicht für Rafael Nadal.)

Fortschrittlichste Materialien gehören bei Richard Mille zum guten Ton

Wie bei einem Formel 1-Sportwagen versucht auch Mille, Gewicht zu sparen, wo es nur geht. Dabei kommen herkömmliche Hightech-Materialien aus der Uhrenindustrie, wie beispielsweise Titan oder Keramik, allerdings schnell an ihre Grenzen – zumindest in der Welt von Richard Mille. In ihrem Streben nach Leichtigkeit hat die Marke daher das Wissen um Werkstoffe aus anderen Industrien in die Uhrenindustrie übertragen und somit Materialien eingeführt, die andere Uhrmacher nicht einmal in Betracht ziehen würden.

Richard Mille NTPT Carbon
Das Gehäuse, gefertigt aus NTPT-Carbon.

Da wäre z.B. das ultraleichte NTPT-Carbon, welches aus der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen North Thin Ply Technology (NTPT) hervorging und im Mast von Segelyachten oder F1-Auto-Chassis zum Einsatz kommt. Gemeinsam entwickelten Richard Mille und NTPT zudem das farbige Quartz TPT, das aus 45 Mikrometer dünnen Quarzfasern besteht, die in aufeinanderfolgenden Schichten aufgetragen werden.

Der Vorteil dieser Eigenentwicklungen ist ihre strukturelle Beschaffenheit, gekennzeichnet durch enorme Festigkeit, Leichtigkeit sowie Widerstandsfähigkeit. Ein cooler Nebeneffekt ist zudem der an Damaststahl erinnernde Look als Resultat der übereinanderliegenden Schichten.

Der Preis einer Richard Mille-Uhr

Der Durchschnittspreis einer Richard Mille liegt ca. bei 150.000€, also mitten im Patek Philippe- und A. Lange & Söhne-Hoheitsgebiet. Was aber genau macht die Uhren so teuer?

Nun, wer bis hierhin durchgehalten hat, kann sich die Frage beinahe selber beantworten. Die zwei Haupt-Kostentreiber sind sicherlich Forschung & Entwicklung sowie der Haute Horlogerie-Aspekt. Bei Richard Mille ist nämlich nichts von der Stange, rein gar nichts. Jedem noch so kleinen Aspekt wird maximale Aufmerksamkeit gewidmet und nichts wird wegrationalisiert.

Laut Theodore Diehl, dem Pressesprecher und einem der ersten Mitarbeiter der Marke, kosten allein 1 Kilogram der speziellen Titan-Torx-Schrauben, die die Lünette der Uhren zieren, rund 2 Millionen Schweizer Franken. Diese Extra Mile-Mentalität zieht sich wie ein roter Faden durch alle Uhren und alle Komponenten, was natürlich in ungemeinen Mehrkosten resultiert.

Richard Mille Celebrities
Margot Robbie und Pharrell Williams sind beide RM-Ambassadors.

Dann ist da der Aspekt der hohen Uhrmacherkunst, der gerne mal übersehen wird. Neben bunten Kautschuk-Armbändern und extravaganten Zifferblättern operiert die Marke auch uhrmacherisch auf absolutem Top-Level, was beispielsweise der eingangs genannten Zusammenarbeit mit Audemars Piguet Renaud et Papi geschuldet ist. Die Komplikationen decken nahezu alles ab, was heutzutage technisch möglich ist: Da wären z.B. Vibrationsalarme, Beschleunigungssensoren, Tourbillons und Schleppzeiger-Chronographen, um nur einige zu nennen.

Der dritte Aspekt, der noch nicht angesprochen wurde, ist das perfektionierte Marketing. Neben hochrangigen Markenbotschaftern ist die Marke nämlich überall dort anzutreffen, wo sich Spitzensportler und betuchte Klientel die Klinke in die Hand geben: F1, Superyacht-Regatta, Grand Slams, Rallye des Princesses, etc.

Richard Mille Formula 1
Die Young Talent Academy unterstützt angehende Rennfahrer.

Aber auch an immer mehr Handgelenken von Musikern, NBA-Spielern und Fußball-Profis sind die Uhren inzwischen zu sehen. Prominente wie Ed Sheeran, Post Malone, Jay-Z, Drake und Michelle Yeoh gehören zu bekennenden Fans der Marke, was der Richard Mille zum Image als “Uhrenmarke der Schönen & Reichen” verholfen hat.

Fazit

Richard Mille-Uhren fallen einfach immer auf, weshalb die Uhren für viele Uhren-Fans lediglich ein prolliges Zurschaustellen von Reichtum sind, weniger aber echte Faszination und Leidenschaft für ein altehrwürdiges Handwerk.

Nichtsdestotrotz muss man anerkennen, dass die Marke regelmäßig die Grenzen des physisch Machbaren ausreizt, viele noch nie dagewesene Komplikationen selbst entwickelt und somit die Uhrenindustrie entscheidend vorantreibt. Da Stillstand bekanntlich Rückschritt bedeutet, muss man an dieser Stelle zumindest die Verdienste der Marke im Bereich R&D anerkennen.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Uhren aufgrund ihres aufgerufenen Preises ohnehin nur für die oberen Zehntausend erschwinglich sein dürften, sind Richard Milles am Ende des Tages nicht nur conversation pieces, sondern vor allem hochpreisige Innovationstreiber.

Richard Mille McLaren RM 50-03
Die Richard Mille McLaren RM 50-03 kostet über eine Millionen Euro.

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Vorherige Kommentare (2)

  1. Als ich das erste Mal eine RM gesehen habe, dachte ich, dass seien bloß Uhren für Menschen mit Napoleon-Komplex. Hab mich allerdings in den letzten Jahren versträkt mit der Marke auseinander gesetzt und muss mir leider eingestehen, dass ich falsch lag.
    Klar, durch die ganzen Partnerschaften und bekannten Gesichter, die RM tragen, sind die Uhren deutlich überteuert. Nichtsdestotrotz sind sie technologisch betrachtet mit das innovativste und beste auf dem Markt.. mal abgesehen vom Look, der natürlich subjektiv ist und gefallen muss.

    April 19, 2021
  2. Finde die Uhren grandios. Damit fällt man natürlich auf wie ein bunter Hund, aber finde ich Technologien absolut geil!

    April 26, 2021

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